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Weinlese an der Mosel: Wann im Kreis Cochem-Zell gelesen wird

 · 7 Min. Lesezeit

Erntehelfer mit gefüllter Lesebütte auf einem Weinbergsweg über Valwig an der Mosel
Foto: Rob & Lisa Meehan, CC BY 2.0 (skaliert), via Wikimedia Commons

Kurzzusammenfassung

  • Die ersten Trauben werden an der Mosel seit Jahren schon Ende August geschnitten, meist für Federweißer und Sektgrundwein. Die Rieslinglese, um die es eigentlich geht, begann in den letzten Jahrgängen zwischen dem 12. und dem 20. September.
  • Der Kreis Cochem-Zell liegt auf der Grenze zwischen zwei Weinbaubereichen, und die Lese folgt dieser Grenze: An der Terrassenmosel ab Zell abwärts ging es mehrfach rund eine Woche früher los als flussaufwärts.
  • Ende Oktober ist die Lese in aller Regel vorbei. 2025 war sie bei den meisten Betrieben schon Anfang Oktober beendet, so früh wie noch nie.

Der Termin der Weinlese an der Mosel wechselt von Jahr zu Jahr um bis zu drei Wochen, denn er hängt an der Reife und am Wetter im September, nicht am Kalender. Die Spanne, in der alles passiert, ist trotzdem erstaunlich stabil, und sie beginnt früher, als die meisten Gäste vermuten.

Ende August fangen die frühen Sorten an

Der Auftakt gehört nicht dem Riesling. Frühreifende Sorten wie Solaris oder Frühburgunder kommen als erste in die Bütte, und ihre Trauben gehen überwiegend in Federweißer und Sektgrundwein. 2022 wurden die ersten davon schon am 20. August geschnitten, was der Moselwein e.V. damals als rekordverdächtig bezeichnete. 2020, 2024 und 2025 lag der Auftakt jeweils Ende August.

Danach folgen Müller-Thurgau, Elbling und die Burgundersorten, und erst zum Schluss der Riesling, mit 62,4 Prozent der Rebfläche die bestimmende Sorte des Anbaugebiets. Zwischen den Sorten liegen normalerweise Pausen, in denen die Lesetrupps durchatmen. 2025 fielen sie aus: Die Reife entwickelte sich so schnell, dass fast alle Sorten gleichzeitig erntereif waren.

Warum es im Kreis Cochem-Zell früher losgeht

Weinrechtlich ist das Anbaugebiet Mosel in sechs Bereiche geteilt, und die Grenze zwischen den beiden größten verläuft mitten durch den Landkreis. Der Bereich Bernkastel reicht von Trier bis Briedel und trägt mit 5.518 Hektar den Löwenanteil der Rebfläche. Ab Zell moselabwärts beginnt der Bereich Burg Cochem, die Terrassenmosel, mit 1.090 Hektar. Pünderich und Briedel zählen also noch zur Mittelmosel, Zell, Bremm, Ernst und Cochem schon zur Terrassenmosel.

Diese Linie taucht in den Ernteberichten regelmäßig wieder auf. 2022 begann die Hauptlese um den 12. September an der Terrassenmosel, an Mittel- und Obermosel sowie an Saar und Ruwer überwiegend eine Woche später. 2014 wurde bereits Ende September an der Terrassenmosel mit dem Riesling begonnen, im Raum Trier und an der Saar erst um den 5. Oktober. Auch die Rebblüte lief 2025 an der Terrassen- und Mittelmosel ab dem 3. Juni, im Raum Trier zehn Tage später.

Der Landkreis ist damit nicht irgendwo im Anbaugebiet, sondern regelmäßig dort, wo es zuerst losgeht. In den engen Terrassenlagen ab Zell ist die Arbeit zugleich am aufwendigsten. Ein Drittel der Moselweinberge liegt in Steillagen mit mehr als 30 Prozent Hangneigung, und der steilste Weinberg der Welt, der Calmont zwischen Bremm und Ediger-Eller, erreicht bis zu 68 Grad. Die Pflege der Reben ist dort nur von Hand möglich.

Was das Wetter mit dem Termin macht

Jahrgang Erste Trauben Hauptlese Riesling Ernte beendet
2014 erste Septemberhälfte Ende September (Terrassenmosel) Mitte Oktober weitgehend
2020 Ende August ab Mitte September einzelne Betriebe bis Ende Oktober
2022 20. August um den 12. September (Terrassenmosel) keine Angabe
2025 Ende August um den 19. September Anfang Oktober, Steillagen bis Mitte Oktober

Der Auslöser für einen frühen Start ist selten Hitze allein, sondern meistens Regen. 2025 sah es bis Ende August nach einem Bilderbuchjahrgang aus, mit rund zwei Wochen Reifevorsprung gegenüber dem Vorjahr. Dann zogen im September mehrere Tiefdruckgebiete über die Region; in Bernkastel fiel dreimal so viel Regen wie im Mittel. Fäulnis breitete sich aus, vor allem im Riesling, und die Betriebe mussten früher anfangen, als sie wollten. Ab dem 8. September wurde flächendeckend gelesen, ohne Pause bis in den frühen Oktober. In den Steillagen kostete das viele Weingüter 50 bis 75 Prozent des Ertrags.

Wie stark solche Jahre durchschlagen, zeigt die Erntemenge. Der Zehnjahresschnitt seit 2015 liegt bei 694.000 Hektolitern für das gesamte Anbaugebiet. 2018 waren es 908.000, im Jahr 2024 nach Frostschäden im April und großflächigem Hagel im Mai nur 450.000, die kleinste Ernte seit fünf Jahrzehnten. Für 2025 schätzten Weinbauverband und Moselwein e.V. im Oktober noch 782.000 Hektoliter; die amtliche Traubenerntemeldung ergab am Ende 743.000.

Wann sich die Fahrt lohnt, und wann der Eiswein kommt

Die zweite und dritte Septemberwoche sind die verlässlichste Zeit, um die Lese tatsächlich zu sehen. Dann steht die Rieslingernte in den Orten zwischen Zell und Cochem meist mitten drin, während im Raum Trier noch gewartet wird. Für den ersten Federweißer muss man deutlich früher kommen: Die Trauben dafür hängen Ende August schon nicht mehr am Stock.

Anfang Oktober wird es in den Weinbergen wieder ruhiger. Für einen Termin im Weingut ist das die bessere Woche, denn während der Lese arbeiten die Trupps nach dem Bericht des Moselwein e.V. für 2025 ohne Atempause durch. Welche Betriebe im Kreis Besucher empfangen, steht unter Weingüter an der Mosel; die Weinfeste des Jahres liegen ohnehin überwiegend vor und nach der heißen Phase.

Ein Nachzügler bleibt. Für Eiswein müssen die Trauben gefroren gekeltert werden, dafür sind mindestens minus 7 Grad nötig, und das Mostgewicht muss bei mindestens 110 Grad Oechsle liegen. Wann das eintritt, weiß im Oktober niemand. 2016 rückten die Erntetrupps am 30. November aus, unter anderem im Neefer Frauenberg bei minus 9 Grad, wo rund 100 bis 150 Liter mit 130 Grad Oechsle zusammenkamen. 2021 wurde erst am 22. Dezember gelesen, im Licht von Stirnlampen. Die Eisweintrauben des Jahrgangs 2015 hingen sogar bis ins folgende Jahr. Gesunde Trauben im Oktober am Stock zu lassen ist deshalb eine Wette, und sie geht nicht in jedem Winter auf.

Was aus dem Kreis kommt, trägt hinterher entweder eine Lagenbezeichnung der Terrassenmosel oder, rund um Zell, die Bezeichnung Schwarze Katz.

Alle Erntetermine, Mengen und Flächenangaben stammen von Moselwein e.V. und dem Weinbauverband Mosel, Stand August 2026; die Rebfläche mit Stand Ende 2024, die Rebsortenanteile mit Stand 2023.

Wann ist die Weinlese an der Mosel 2026?

Ein Datum steht im August noch nicht fest, weil der Termin von der Reife und vom Wetter im September abhängt. In den Jahrgängen 2020 bis 2025 begann die Lese der frühen Sorten zwischen dem 20. August und Anfang September, die Rieslinglese zwischen dem 12. und dem 20. September. In den Terrassenlagen zwischen Zell und Cochem beginnt sie erfahrungsgemäß am frühen Ende dieser Spanne.

Wie lange dauert die Traubenlese?

Üblich sind rund zwei Monate von den ersten Frühsorten bis zu den letzten Steillagen, so 2020 und 2024. 2025 war es deutlich kürzer: Weil fast alle Sorten gleichzeitig reif waren, hatten die meisten Betriebe schon Anfang Oktober alles im Keller, nur große Weingüter mit viel Riesling in Steillagen arbeiteten bis Mitte Oktober.

Warum wird an der Terrassenmosel früher gelesen als bei Trier?

Die Ernteberichte des Moselwein e.V. nennen für die Terrassenmosel mehrfach einen Vorsprung von etwa einer Woche, 2022 mit dem 12. September gegenüber dem 19. September flussaufwärts, 2014 mit Ende September gegenüber dem 5. Oktober. Dieselbe Reihenfolge zeigte sich 2025 schon bei der Rebblüte, die an der Terrassen- und Mittelmosel zehn Tage vor dem Raum Trier begann.

Woher kommt der Federweiße, den es ab Ende August gibt?

Aus den frühreifenden Sorten, die vor dem Riesling geerntet werden, vor allem Solaris und Frühburgunder. Deren Trauben gehen an der Mosel überwiegend in Federweißer und Sektgrundwein. 2022 wurden die ersten davon am 20. August geschnitten, 2020, 2024 und 2025 jeweils Ende August.