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Ediger-Eller: Stadtmauer, Calmont und ein Kreuzweg von 1488

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Blick über die Mosel auf Ediger mit dem gotischen Kirchturm von St. Martin und den Weinbergen des Osterlämmchens
Foto: H.Peierl, CC BY 3.0 (skaliert), via Wikimedia Commons

Kurzzusammenfassung

  • Der Ortsteil Ediger besitzt eine Stadtmauer, weil er 1363 von Kaiser Karl IV. die Stadtrechte bekam: ein 430 Meter langes Rechteck, über sieben Meter hohe Schieferbruchsteinmauer, von ursprünglich wohl zwölf Türmen stehen sechs.
  • Zur Kreuzkapelle führt der nach Angaben der Ortsgemeinde drittälteste Kreuzweg Deutschlands aus dem Jahr 1488. In der Kapelle hängt das Steinrelief „Christus in der Kelter“, 100 mal 90 Zentimeter groß, aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.
  • Die neue barrierefreie Bushaltestelle an der B 49 wird nur in Fahrtrichtung Zell angefahren. Wer aus Cochem kommt, steigt weiter an der alten Haltestelle im Ort aus.
  • Die Tourist-Information in der Pelzerstraße 1 hat von Juli bis Oktober montags bis samstags von 9.30 bis 12 Uhr geöffnet, mittwochnachmittags nie und am Weinfestmontag, dem 10. August 2026, gar nicht.

Zwischen Neef und Beilstein liegt an der Mosel eine Doppelgemeinde, die seit 1970 zusammengehört und bis heute zwei sehr verschiedene Hälften hat. Ediger war einmal juristisch eine Stadt und sieht bis heute so aus. Eller wurde 1097 Sitz einer Großpfarrei und hat den Bahnanschluss.

Über beiden steht der Calmont, mit durchschnittlich 70 Grad Steigung nach Angaben der Ortsgemeinde der steilste Weinberg Europas. Er liegt zwischen dem Ort und Bremm und schiebt sich auf jedem Foto in den Vordergrund. Das ist schade für den Ort darunter, denn dort steht mehr, als ein Berg verdecken sollte.

Wie ernst es die Gemeinde damit meint, zeigt eine Zahlenreihe: 2010 Goldmedaille im Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, 2014 zweiter Platz beim Europäischen Dorferneuerungspreis für die Calmont Region aus Ediger-Eller, Bremm und Neef, 2025 Gold auf Landesebene. Der Bundesentscheid dazu läuft 2026.

Warum ein Dorf eine Stadtmauer hat

Am Anfang steht ein Datum: 1363 verlieh Kaiser Karl IV. dem Ort Ediger auf Bitten des Trierer Erzbischofs Cuno von Falkenstein die Stadtrechte. Er gestattete, den Ort als Stadt auszubauen, ihn mit Mauern und Gräben zu umgeben, die Blutgerichtsbarkeit auszuüben, einen Wochenmarkt einzurichten und das Dorf mit den Freiheiten und Rechten der Stadt Cochem zu versehen. Die Ringmauer selbst wird erstmals 1459 erwähnt.

Was davon steht, lässt sich abschreiten. Der von drei Trockengräben und der Mosel umgebene Ortskern bildet ein 430 Meter langes Rechteck, in der Mitte rund 130 Meter breit. Die Mauer aus Schieferbruchsteinen ist mehr als sieben Meter hoch und stellenweise über einen Meter dick; nach oben schloss sie ein vorgekragter Wehrgang ab, dessen Brustwehr 30 bis 40 Zentimeter dick und 160 Zentimeter hoch war. Von den Schießscharten ist genau eine erhalten, neben dem Kirchentor. Von anfänglich wohl zwölf Türmen stehen sechs zum Teil bis heute.

Einer davon ist älter als die Mauer. Der 16 Meter hohe Lehmener Turm war ein Haus des Ritters von Lehmen, im 13. Jahrhundert umgeben von einer Siedlung samt eigener Kapelle.

Die Marktkonzession von 1363 hat übrigens überlebt: Für den 16. November 2026 steht im Ortskalender ein Markttag. Die Ortsgemeinde nennt ihn an einer Stelle Martinusmarkt und an einer anderen Krammarkt.

Zwei Kirchen und ein Eichmaß für 70 Dörfer

Aus der Filialkapelle der Ellerer Pfarrkirche wurde 1142 die Pfarrkirche St. Martin von Ediger. Romanische Reste und die gotische Vollendung um 1506 stecken im selben Bau, ein Umgang verbindet die Chorseite mit der 1363 errichteten Kirchpforte der Stadtmauer. Der Glockenturm im Westen ist über 50 Meter hoch; seinen achteckigen Helm führt die Ortsgemeinde als den reichstverzierten gotischen Schiefer-Kirchturmhelm der Christenheit.

In Eller steht die Kirche St. Hilarius, das einzige Patrozinium dieses Bischofs von Poitiers im heutigen Bistum Trier. Der romanische Turm bekam um 1500 einen gotischen Helm und trägt drei gotische Glocken; als Säulenbasis dient ein Stein, der einmal dem römischen Jupiter geweiht war. 1718 wurde der Bau barockisiert. Die Stumm-Orgel stammt von 1828, ein Steinaltar von 1621, und im Inneren steht ein romanischer Weihwasserkessel, der früher als Eichmaß für 70 Gemeinden diente.

Diese 70 sind kein Zufall. Zur Zeit der Trierer Kurfürsten, zwischen dem 13. und dem 17. Jahrhundert, gab es ein eigenes „Ellerer Maß“, und 70 Dörfer lieferten ihren Zehnten im Ellerer Zehnthaus ab. Der Kessel in der Kirche ist der Rest einer Verwaltung, die einmal weit über das Moseltal hinausreichte.

Ein drittes Haus mit eigener Geschichte steht in der Rathausstraße 1. Dort lag der jüdische Versammlungsraum des Ortes; vor etwas mehr als hundert Jahren entstand daraus eine Synagoge im neugotischen Stil, gebaut unter Verwendung eines Hauses von etwa 1500. Seit 2009 heißt das Gebäude „Haus der Psalmen“.

Der Kreuzweg von 1488 und was am Ende steht

Vom Tal aus winden sich Kreuzwege durch die Steilhänge der Wingerte hinauf, und einer von ihnen ist älter als fast alle anderen: Der Weg zur Kreuzkapelle stammt aus dem Jahr 1488 und ist nach Angaben der Ortsgemeinde der drittälteste Kreuzweg Deutschlands.

Am Ende hängt der Grund, warum Kunsthistoriker hierherkommen. Das Steinrelief „Christus in der Kelter“ misst 100 mal 90 Zentimeter, entstand in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und ist ikonografisch ungewöhnlich: Die Traube muss gekeltert werden, ehe aus ihr Wein wird. In einem Weinort ist dieses Bild keine Metapher, sondern Arbeit.

Wer danach noch Lust auf Fresken hat, geht in Eller zur Rochuskapelle, die früher St. Arnulf hieß. Der romanische Bau hat einen gotischen Chor von etwa 1500, im Inneren eine Ecce-Homo-Szene nach einem Kupferstich Martin Schongauers, und vor der Tür ein Kruzifix von 1733 neben einem der alten Brunnen, die noch Wasser geben.

Im übrigen Ortsbild sind es die Fassaden. Über 60 Gebäude aus dem 16. und 17. Jahrhundert stehen noch, viele mit Tür- und Fensterstürzen, die Reliefs, Jahreszahlen und Hausmarken tragen, dazu Türen, die zum Teil über 200 Jahre alt sind. Typisch für die Häuser hier sind die Rundbogenkonsolen.

Der Berg, der Steig und das Kloster gegenüber

Auf dem Bergrücken über den Steillagen des Calmonts stand ein gallo-römischer Umgangstempel. Nach Grabungsfunden von 2005 wurde er rekonstruiert; erreichbar ist er über den Rundwanderweg aus Calmont-Klettersteig und Calmont-Höhenweg, der am Klettersteig-Einstieg im Ortsteil Eller beginnt. Route, Gehzeiten und Sicherung stehen im Guide zum Calmont-Klettersteig.

Der Ort ist außerdem ein brauchbarer Standort für den Moselsteig, der auf 365 Kilometern in 24 Etappen an der Mosel entlangführt. Etappe 16 endet hier, Etappe 17 beginnt hier und geht bis Beilstein; die Rückfahrt zum Startpunkt läuft über Bus und Bahn. Die Etappen im Kreis Cochem-Zell sind an anderer Stelle im Detail beschrieben.

Gegenüber dem Calmont liegt auf der Landzunge die Klosterruine Stuben, im 12. Jahrhundert als großes Nonnenkloster entstanden. 1208 überließ Heinrich von Ulmen den Nonnen die Staurothek, heute Teil des Limburger Domschatzes; von der 1685 bis 1687 erbauten Klosterkirche steht nur noch die Ruine, die als Kulturforum genutzt wird. Was dort im Sommer gespielt wird, steht im Porträt von Bremm an der Mosel.

Anreise, Strom und Öffnungszeiten

Seit Anfang Juli 2026 hat der Ortsteil Eller eine neue barrierefreie Bushaltebucht an der B 49, zwischen dem Kriegerehrenmal und der Bachstraße. Der Bordstein wurde auf Einstiegshöhe angehoben, ein taktiles Bodenleitsystem führt zu dem 2,50 Meter breiten Einstiegsbereich, und der Bund hat die rund 30.000 Euro getragen.

Ein Satz aus der Mitteilung des Landesbetriebs Mobilität entscheidet allerdings, ob man davon etwas hat: Angefahren wird die neue Bucht nur vom Linienbusverkehr in Fahrtrichtung Zell. Die Haltestelle in Fahrtrichtung Cochem bleibt an ihrem bisherigen Standort innerhalb der Ortslage. Barrierefrei ist also eine Richtung, nicht der Ort.

Mit der Bahn ist Eller seit dem Bau der Strecke Koblenz–Perl angebunden. 1877 wurde der Kaiser-Wilhelm-Tunnel von Eller nach Cochem fertig, bis 1985 der längste Eisenbahntunnel Deutschlands. Wer im Ort übernachtet, sollte den Gastgeber nach dem Gästeticket fragen: Damit lassen sich Busse und Regionalbahnen im gesamten Landkreis nutzen, sofern der Vermieter die Nutzung vereinbart hat.

Vier Ladepunkte für Elektroautos stehen auf dem Festplatz im Ortsteil Eller, auf Höhe der Moselweinstraße 80, ein weiterer vor dem Bürgerhaus im Ortsteil Ediger, Am Pfirsichgarten 39. Fahrräder, E-Bikes, Kinderräder und Anhänger verleiht die Tankstelle Andre in der Moselweinstraße 34.

Die Tourist-Information Mosel Calmont Region sitzt in der Pelzerstraße 1. Von Juli bis Oktober 2026 öffnet sie montags bis samstags von 9.30 bis 12 Uhr, montags bis freitags zusätzlich von 16.30 bis 18 Uhr, mittwochnachmittags gar nicht. Zwei Tage fallen komplett aus, und einer davon ist bemerkenswert: der 10. August, Weinfestmontag. Am letzten Tag des eigenen Weinfestes ist der Schalter zu. Der zweite ist der 3. Oktober.

Ab November wird es dünner. Vom 4. bis 14. November öffnet die Information dienstags, donnerstags, freitags und samstags von 10 bis 12 Uhr, am Markttag Montag, dem 16. November, ebenfalls von 10 bis 12 Uhr, ab dem 18. November nur noch mittwochs und samstags. Dieser Rhythmus gilt dann bis zum 14. März.

Wenn ein Besuch an einem Wochenende im Sommer möglich ist, spricht viel für den ersten Augustsonntag: Das Wein- und Heimatfest „Ediger Osterlämmchen“ läuft vom 7. bis 10. August 2026 im Ortskern, der Schalter hat samstags noch offen, und die Weinlage, die dem Fest den Namen gibt, liegt direkt über den Häusern. Für einen ruhigen Besuch ist der September die bessere Wahl: gleiche Öffnungszeiten, gefüllte Terrassen ohne Festbetrieb, und am zweiten Septemberwochenende öffnen die Winzerhöfe in Ediger.

Quellen: Ortsgemeinde Ediger-Eller (Stand Juli 2026) und Landesbetrieb Mobilität Cochem-Koblenz, Verkehrsmitteilung vom 13. Juli 2026.

Warum hat Ediger eine Stadtmauer?

Weil der Ort 1363 von Kaiser Karl IV. die Stadtrechte erhielt, samt der Erlaubnis, sich mit Mauern und Gräben zu umgeben. Die Ringmauer wird erstmals 1459 erwähnt; von ursprünglich wohl zwölf Türmen stehen sechs zum Teil bis heute.

Wann hat die Tourist-Information geöffnet?

Von Juli bis Oktober 2026 montags bis samstags von 9.30 bis 12 Uhr und montags bis freitags zusätzlich von 16.30 bis 18 Uhr, mittwochnachmittags geschlossen. Am 10. August und am 3. Oktober bleibt sie ganz zu. Ab dem 18. November öffnet sie nur noch mittwochs und samstags von 10 bis 12 Uhr.

Ist die Bushaltestelle an der B 49 barrierefrei?

Nur in einer Richtung. Die im Juli 2026 fertiggestellte barrierefreie Haltebucht zwischen Kriegerehrenmal und Bachstraße wird vom Linienbusverkehr in Fahrtrichtung Zell angefahren. In Fahrtrichtung Cochem bleibt die Haltestelle an ihrem bisherigen Standort im Ort.

Welche Moselsteig-Etappen beginnen oder enden hier?

Etappe 16 von Neef endet im Ort, Etappe 17 führt von hier nach Beilstein. Der Moselsteig hat insgesamt 24 Etappen und 365 Kilometer; für die Rückfahrt zum Startpunkt lassen sich Bus und Bahn nutzen.