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Nehren an der Mosel: Römergräber, Kulturweg und Ortsporträt

 · 7 Min. Lesezeit

Die beiden wiederaufgebauten römischen Grabtempel oberhalb von Nehren mit Blick ins Moseltal
Foto: Leuni, CC BY-SA 4.0 (skaliert), via Wikimedia Commons

Kurzzusammenfassung

  • Nehren hat 120 Einwohner, gehört zur Verbandsgemeinde Cochem und wurde nach Angabe der Ortsgemeinde bereits 634 erstmals erwähnt.
  • Über den Weinbergen stehen zwei römische Grabbauten. In der westlichen Kammer ist die antike Ausmalung erhalten; von rund 52 Quadratmetern bemalter Fläche sind etwa 10 verloren.
  • Der Kulturweg Römergräber misst 4,5 Kilometer bei rund 200 Höhenmetern und startet am Gemeinde- und Feuerwehrhaus.

Nehren liegt am Südende eines Weinbergrückens, hinter einem Altarm der Mosel, ungefähr auf halbem Weg zwischen Cochem und Zell. 120 Menschen wohnen hier. Hoch in den Weinbergen über dem Ort stehen trotzdem zwei römische Grabbauten, und die Kammer des einen ist nach Darstellung des Ferienlands Cochem der einzige im Rheinland noch existierende Raum der Antike, in dem die ursprüngliche Bemalung von Wänden und Gewölbe weitgehend erhalten ist.

Zwei Grabtempel über den Weinbergen

Die Anlage besteht aus zwei gleich großen, zweigeschossigen Grabbauten, die in einer Fluchtlinie in den Hang gesetzt sind. Was von unten zu sehen ist, stammt allerdings nicht aus römischer Zeit: Der Oberbau in Form von Grabtempeln wurde 1974 auf den alten Fundamenten rekonstruiert, und zwar zum Schutz der eigentlichen Grabkammern, die unter der Vorhalle liegen. Die östliche Kammer II ist nicht mehr geschlossen erhalten. Die westliche Kammer I dagegen ist ein vollständig erhaltener antiker Raum.

Wem die Anlage gehörte, beschreibt das Ferienland Cochem: einer Grundbesitzerfamilie, deren Wohnsitz in dem ausgedehnten Trümmerfeld auf der Terrasse nördlich oberhalb der Ortslage vermutet wird. Ausgegraben wurde dort wiederholt.

Bei der Datierung gehen die beiden Quellen auseinander. Die Ortsgemeinde datiert die Wandmalereien in ihrem Flyer zur Grabanlage auf das 3. bis 4. Jahrhundert nach Christus, das Ferienland Cochem die Grabbauten auf die zweite Hälfte des 4. Jahrhunderts. Auch beim Rang der Malerei sagen beide etwas anderes: Die Ortsgemeinde nennt die Gewölbemalerei die am besten erhaltene nördlich der Alpen, das Ferienland spricht vom einzigen im Rheinland noch existierenden Raum der Antike, in dem die ursprüngliche Bemalung weitgehend erhalten ist. Die zweite Formulierung ist die vorsichtigere, und sie stammt von der Tourist-Information, die den Ort vermarktet.

Die Ausmalung: 52 Quadratmeter, 10 davon verloren

Kammer I ist ein Raum von etwa drei mal vier Metern, überspannt von einem Tonnengewölbe aus Ziegeln und von der Talseite betretbar. Das Mauerwerk besteht aus örtlich anstehender Grauwacke. Auf dem Boden lag kein Estrich, sondern ein mindestens zweifarbiger Plattenboden aus grünem Diabas und grauem Marmor.

Die Farbpalette der Malerei umfasst gelben und roten Ocker, grüne Erde und Rebschwarz. Ein breites rotes Band trennt aufgehendes Mauerwerk und Gewölbe. Auf weißem Grund liegt darunter ein Gitterwerk aus hochrechteckigen Segmenten, im Gewölbe sitzt in der Mitte eine achteckige rote Kassette, von der rote Bänder zu halbierten Kassetten an den vier Seiten führen. Dazwischen steht grünes Blattwerk mit großen dunklen Früchten. Von rund 52 Quadratmetern bemalter Fläche im Innenraum sind etwa 10 Quadratmeter bereits verloren, vor allem in den Sockelbereichen.

Konserviert wurde ab Sommer 2003, in einem dreijährigen Forschungsprojekt der Fachhochschule Köln, finanziert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz. Zuerst kam eine Drainage entlang der Nord-Ost- und der Nord-West-Wand, um den ständigen Wassereintrag zu unterbinden, danach die Abnahme der dicken grauen Krusten von der Oberfläche der Malereien. Für ein stabiles Klima bekam die Kammer eine dichte Stahltür und eine geregelte Lüftung. Im Herbst 2005 waren die Arbeiten vor Ort abgeschlossen.

Öffnungszeiten oder eine Führung für diesen Innenraum nennt weder die Ortsgemeinde noch das Ferienland Cochem. Auskunft dazu gibt die Tourist-Information Mosel-Calmont-Region in Ediger-Eller unter 02675 1344.

Der Kulturweg Römergräber: 4,5 Kilometer, rund 200 Höhenmeter

Der Rundweg beginnt am Gemeindeplatz beim Gemeinde- und Feuerwehrhaus. Dort steht schon der erste römische Fund: ein Kelterstein aus dem 3. Jahrhundert. Von da führt der Weg ein kurzes Stück die Kirchstraße entlang Richtung Ediger-Eller, dann rechts in die Römerstraße und bergauf in die Weinberge. Ein Wirtschaftsweg passiert einen Findling, ein kleines Heiligenhäuschen und einen Versuchsweinberg mit verschiedenen Rebsorten und zieht durch die Lage Nehrener Römerberg hinauf zu den Gräbern.

Zurück geht es über die Treppe bei den Grabtempeln, nach rechts Richtung Ediger-Eller, durch ein Waldstück und am Bach entlang durchs Lehmer Bachtal abwärts, bis fast an die Bundesstraße und den sogenannten Lehmener Turm. Oberhalb des Turms biegt der Weg links ab und läuft durch die Weinberge zum Ausgangspunkt zurück.

Das Ferienland Cochem gibt 4,5 Kilometer, rund 200 Höhenmeter und etwa zwei Stunden an, auf asphaltierten oder gut befestigten Wirtschaftswegen. Mit dem Calmont-Klettersteig vier Kilometer weiter, der über Leitern und Stahlseile führt, hat das nichts zu tun. Der Aufstieg zu den Gräbern ist mit festen Schuhen und ohne Schwindelfreiheit zu machen, und Thementafeln am Weg erklären unterwegs Ort, Region und Weinbau.

120 Einwohner, ein Campingplatz für tausend

Die Ortsgemeinde schreibt über den Campingplatz zwischen Ort und Mosel, er habe Platz für bis zu 1000 Camper. Der Ort selbst hat 120 Einwohner. In der Saison ist der Platz damit rechnerisch die größere der beiden Siedlungen, und das prägt Nehren mehr als jede einzelne Sehenswürdigkeit.

Der Platz liegt auf einer Halbinsel, ist beidseitig von Wasser umgeben, vier Hektar groß und liegt direkt am Moselrad- und Wanderweg. Zum Gelände gehören ein Kiosk mit Brötchenservice, ein Biergarten mit Terrasse, ein Imbiss, beheizte Sanitäranlagen, eine Ver- und Entsorgungsstation und ein Bootsstellplatz. Preise, Saison, Abreisezeiten und Platzordnung stehen im Vergleich der Campingplätze im Kreis.

Eine Angabe sollte man dabei nicht von der Gemeindeseite übernehmen: Die Gastgeberliste der Ortsgemeinde führt für den Campingplatz die Rufnummer 02673 4612, der Platz selbst nennt auf seiner eigenen Seite 02673 9621155. Neben dem Platz stehen in dieser Liste vier Weinbetriebe und ein Imbiss, alle in der Mosel-, Römer- oder Kirchstraße. Ein Hotel führt sie nicht.

Der Umkreis: Calmont in vier, Freibad in acht Kilometern

Der Calmont ist vier Kilometer entfernt. Der steilste Weinberg Europas liegt zwischen Bremm und Ediger-Eller, nicht in Nehren. Das nächste Freibad steht im Nachbarort Ellenz-Poltersdorf, acht Kilometer entfernt und beheizt. Auf den Moselhöhen über dem Ort liegt ein 2006 eröffnetes Golfresort mit einer 9- und einer 18-Loch-Anlage und Ferienhäusern.

Direkt oberhalb des Ortes verläuft eine Nordic-Walking-Strecke, Teil des Nordic-Walking-Parks im Ferienland Cochem mit insgesamt 16 Routen. Der Moselrad- und Wanderweg führt am Campingplatz vorbei; als Ziele in beiden Richtungen nennt die Ortsgemeinde Cochem und Koblenz auf der einen, Zell und Trier auf der anderen Seite. Geangelt wird in der Mosel und im abgetrennten Seitenarm, Angelscheine und Zubehör gibt es nach Angabe der Ortsgemeinde im Nachbarort.

Der Blick, für den sich der Aufstieg lohnt, geht von den Grabtempeln über den Fluss: auf das Naturschutzgebiet Taubengrün am anderen Ufer und auf den darüber aufragenden Hochkessel, nach Darstellung der Ortsgemeinde der höchste Berg der Umgebung. Im Ort selbst steht die spätgotische Kirche aus dem 16. Jahrhundert.

Anlaufstellen im Ort

Die Ortsgemeinde sitzt in der Moselstraße 12 und ist unter 0170 8189423 zu erreichen. Zuständig für den Tourismus ist die Tourist-Information Mosel-Calmont-Region in Ediger-Eller, Pelzerstraße 1, Telefon 02675 1344. Geführte Wanderungen laufen nach Angabe der Ortsgemeinde über das Verkehrsamt Senheim-Senhals.

Ein Datum sucht man auf der Ortsseite vergeblich: Ihre Veranstaltungsübersicht führt vier Einträge, und der jüngste davon ist ein Martinsumzug vom November 2014. Für die Frage, wann in Nehren ein Fest ansteht, ist der Anruf bei der Tourist-Information der kürzere Weg.

Alle Angaben stammen von den Seiten der Ortsgemeinde Nehren einschließlich ihres Flyers zur römischen Grabanlage, vom Campingplatz Nehren und vom Ferienland Cochem, Stand August 2026.

Kann man die römische Grabkammer in Nehren von innen ansehen?

Öffnungszeiten oder eine Führung für den Innenraum nennt weder die Ortsgemeinde noch das Ferienland Cochem. Die Kammer I bekam bei der Konservierung eine dichte Stahltür und eine geregelte Lüftung, damit das Raumklima stabil bleibt. Von außen sind beide 1974 rekonstruierten Grabtempel über den Kulturweg erreichbar. Auskunft gibt die Tourist-Information Mosel-Calmont-Region in Ediger-Eller unter 02675 1344.

Wie lang ist der Kulturweg Römergräber und wie lange dauert er?

4,5 Kilometer bei rund 200 Höhenmetern, veranschlagt sind etwa zwei Stunden. Start und Ziel ist der Gemeindeplatz am Gemeinde- und Feuerwehrhaus in Nehren. Der Untergrund besteht aus asphaltierten oder gut befestigten Wirtschaftswegen, Angaben des Ferienlands Cochem, Stand August 2026.