COC·presse
Ausflugsziele & Sehenswürdigkeiten

Briedel an der Mosel: Fähre, Eulenturm und Briedeler Herzchen

 · 9 Min. Lesezeit

Blick von oben auf das langgestreckte Dorf Briedel am Moselufer, gegenüber die Weinberge in der Flussschleife
Foto: Christoph Schäfer, CC BY 3.0 (skaliert), via Wikimedia Commons

Kurzzusammenfassung

  • Die Fähre ist in Briedel kein Ausflugsmittel, sondern Arbeitsgerät: Die besten Weinlagen liegen auf dem anderen Ufer, und wer dorthin will, setzt über.
  • Sie fährt seit dem 11. Mai 2026 nur an vier Tagen der Woche, sonntags und an Feiertagen gar nicht.
  • Der Premiumwanderweg Briedeler Schweiz ist 10,46 km lang und mit 4,5 Stunden angesetzt; der Uhu-Steig auf der gegenüberliegenden Seite braucht 3 Stunden für 7 km.

Das Dorf liegt langgestreckt am Ufer, die barocke Kirche thront über den Gassen, und die Weinberge, die dem Ort seinen Namen gemacht haben, liegen jenseits des Wassers. Diese Aufteilung erklärt fast alles hier: die Fähre, ihre knappen Zeiten, das Kelterhaus auf der falschen Seite und die 158 Ruhebänke, die die Gemeinde inzwischen zählt.

Die Fähre, die zur Arbeit fährt

Alle Weinbergsbesitzer der linken Moselseite werden über eine flächenabhängige feste Gebühr zu den Betriebskosten herangezogen, Besucher zahlen je Überfahrt. Seit den 1960er-Jahren betreibt die Gemeinde die Fähre in Eigenregie; vorher verpachtete sie sie an den Meistbietenden.

Die Zeiten wechseln nach Wochentag. Seit dem 11. Mai 2026 gilt:

Tag Betriebszeit
Dienstag 8–12 Uhr und 12.45–17 Uhr
Donnerstag 8–12 Uhr und 12.45–17 Uhr
Freitag 13–17 Uhr
Samstag 8–12 Uhr und 12.45–16 Uhr

Die letzte Überfahrt geht jeweils zehn Minuten vor Betriebsende, montags, mittwochs, sonntags und an Feiertagen fährt nichts. Das ist der Punkt, an dem eine Wanderplanung kippt: Der Uhu-Steig verläuft auf dem gegenüberliegenden Ufer. Ohne Fähre bleiben als Einstieg der Parkplatz Marienburg oder der Parkplatz Schwimmbad, und die Winzer fahren an solchen Tagen über die Zeller Brücke zu ihren Weinbergen.

Das heutige Schiff stammt von 1967 und ersetzte die Wagenfähre aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Bis zur Kanalisierung war es eine Gierfähre, die an einem gespannten Seil hing und sich von der Strömung schräg hinübertreiben ließ; mit nachlassender Strömung musste sie motorisiert werden. Seil und Schleudermast von 1906 wurden 1996 abgebaut, der Mast steht heute am alten Strandbad als Kinderrutsche. Die Ortsgemeinde nennt ihre Fähre „Briedeler Herzchen” derzeit die größte an der ganzen Mosel.

Am Fährkopf drüben steht ein Bruchsteinhäuschen von 1823, in den Sockel des Steilhangs hineingebaut: früher Warteraum für die Winzer, heute Rastplatz mit Bänken und Blick zurück auf den Ort. Renovieren ließ es 1959 ein späterer Bundespräsident mit Briedeler Familienwurzeln, aus Dank für einen glimpflich überstandenen Autounfall.

748, die Stadtrechte und der Eulenturm

Die erste urkundliche Erwähnung trägt ein Datum: den 20. Mai 748. Damals übertrug der Metzer Bischof Chrodegang unter anderem den Weinzehnten zu „Bredaculo” an das von ihm gegründete Benediktinerkloster Gorze. Der Geschichts- und Kulturverein zählt die Urkunde zu den ältesten schriftlichen Belegen für Weinbau im Moseltal. 1264 kaufte die Zisterzienserabtei Himmerod die klösterlichen Besitzungen und blieb rund 500 Jahre Herrschaft im Ort; ihre zwei verschlungenen Ringe finden sich noch heute auf Grab- und Wegsteinen, Torbögen und Häusern.

Am 31. Mai 1376 bestätigte Kaiser Karl IV. dem Trierer Kurfürsten in einem Sammelprivileg die Stadtrechte für Briedel. Neue Rechte brachte das den Bürgern nicht. Es hielt fest, dass der Ort vollständig von einer Ringmauer umschlossen war, gebaut in hartem Frondienst gegen marodierende Söldnerbanden. Vier Tore sind in Urkunden nachgewiesen; frei sichtbar ist von der Mauer nur noch ein Stück im Kurtel, moselseitig der Hauptstraße stehen weitere Überreste.

Geblieben ist der Hauptturm. Der Eulenturm hat 6,50 Meter Durchmesser, unten rund 60 Zentimeter Mauerstärke, und war bis 1880 Ausguck des Nachtwächters. Danach verwitterte er, der ebenerdige Zugang verschüttete, und durch die Schießscharten zog eine Eulenkolonie ein, die ihm den Namen gab. 1982 wurde er auf Originalhöhe gebracht und mit einem Runddach versehen, ausgeräumt aber nicht: Auf Höhe des Zugangswegs liegt eine Betonplatte, unter der der alte Eingang weiter vermutet wird. Eulen nisten dort längst keine mehr, gelegentlich Bussarde.

Im Dorf hält sich die Legende, aus dem Turm führe eine geheime Treppe und ein Fluchttunnel in das Haus „Grafschaft”. Der Ortschronist hält das für sehr unwahrscheinlich, und zwar mit einem schlichten Argument: Das Haus wurde 400 Jahre nach dem Turm gebaut.

Aus dem historischen Ortskern führen gut 80 Basaltstufen hinauf zur barocken St.-Martins-Kirche, die in den 1770er-Jahren erbaut wurde.

Das Briedeler Herzchen und 1,9 Millionen Rebstöcke

Rund 1.900.000 Weinstöcke pflegen die örtlichen Betriebe. Neben der bekannten Lage Briedeler Herzchen führt der Ort die Lagen Nonnengarten, Schäferlay, Schelm und Weißerberg. Der Ort zählt 19 Weinbaubetriebe, darunter zwei Brennereien und zwei Sektgüter; Weinproben machen die meisten davon.

Woher der Name kommt, erzählt die Gemeinde als Sage: Ein Winzer und seine Tochter kehrten auf einer Pilgerfahrt beim Fährmann in Bernkastel-Kues ein, dessen Sohn krank lag. Die Tochter gab ihm einen Schluck Briedeler Wein, und auf dem Rückweg stand der junge Fährmann wieder am Seil und rief: „Willkommen, mein Briedeler Herzchen!” Ihr jüngster Sohn, so endet die Erzählung, wurde der Kardinal Nikolaus von Kues.

Einkehren lässt sich nur mit Blick in den Kalender. Der Dorfgasthof hat dienstags Ruhetag, das Keglerstübchen donnerstags, das Gasthaus zum Anker mittwochs. Das Weincafé an der Hauptstraße öffnet sein Restaurant erst ab Mitte März, dann montags bis freitags ab 17 Uhr, samstags und sonntags ab 12 Uhr; das Café hat ab Ostern täglich ab 14 Uhr geöffnet. Die Straußwirtschaft in der Moselstraße öffnet donnerstags bis samstags ab 16 Uhr und sonst nach Absprache.

Planwagenfahrten mit Wein und Wingertsvesper dauern rund 2,5 Stunden und sind zurzeit nur auf Anfrage möglich, für Gruppen von 8 bis 16 Teilnehmern. Preis und Termin klärt vor der Buchung ein Anruf beim Anbieter.

Zwei Wanderwege, die sich ergänzen

Briedel hat acht eigene Rundwege, BR1 bis BR7 und BR9, dazu den Premiumweg. Die Kenndaten, Stand August 2026:

Weg Länge Aufstieg Dauer
Seitensprung Briedeler Schweiz 10,46 km 350 m 4 Std. 30 Min.
BR1 12 km 300 m 4 Std.
BR2 9 km 400 m 4 Std.
BR3 7 km 300 m 3 Std.
BR4 3 km 100 m 1,5 Std.
BR5 5,5 km 250 m 2,5 Std.
BR6 7 km 250 m 2,5 Std.
BR7 6 km 200 m 3 Std.
BR9 Uhu-Steig 7 km 150 m 3 Std.

Der Seitensprung startet und endet am Balduinplatz, gilt als mittelschwer und führt über die Hindenburglay zum Sattel. Der Abstecher zum Beinter Kopf lohnt sich: Dort stand ein römisches Bergheiligtum, und die Felsenkanzel gibt den Blick auf Zell frei. Die Schöne Aussicht mit offener Schutzhütte liegt in fast 400 Metern Höhe; ein 0,4 km langer Zuweg verbindet sie mit dem Parkplatz Bummkopf als zweitem Einstieg.

Der Uhu-Steig auf dem anderen Ufer ist der schmalere Weg: Schiefertreppen in alten Trockenmauern, teilweise mit Seil gesichert, dazwischen aufgelassene Weinbergsbrachen. Die Gemeinde empfiehlt ihn für den Vormittag, weil es dann noch nicht so heiß ist und Briedel gegenüber im Licht liegt; für den Nachmittag den schattigen Seitensprung. Diese Reihenfolge ist der beste Tipp, den der Ort zu vergeben hat, und sie kostet nichts.

Zwei Einschränkungen nennt die Gemeinde selbst: In den Wintermonaten bis voraussichtlich Ostern werden die Wege nicht überwacht, ein begehbarer Zustand ist dann nicht gewährleistet. Und nach dem nassen Winter liegen auf einigen Abschnitten Bäume über den Wegen, die zu über- oder untersteigen sind.

Feste, Konzerte und das alte Strandbad

Die zwei größten Termine des Jahres sind durch. Das Weinfest lag auf dem dritten Juliwochenende, das 20. Historische Schöffenmahl am 6. Juni: Programmstart 16.30 Uhr auf dem Brunnenplatz, Beginn des Mahls 17.30 Uhr in der historischen Graf-Salm-Straße, bei schlechtem Wetter im Pfarrheim, 65 Euro einschließlich Weinglas. Für den Rest des Jahres stehen sechs weitere Termine an, von der Kehrer Kirmes am 5. und 6. September bis zu den vier Adventszauberfenstern, die jeden Adventssonntag um 17 Uhr am Balduinplatz starten. Die Einzeltermine mit Ort und Uhrzeit stehen im Terminkalender.

Dazu kommen zwei Konzerte in der St.-Martins-Kirche. Am Sonntag, dem 9. August 2026, spielt eine Pianistin; Karten gibt es im Dorfgasthof in der Hauptstraße 97 unter 06542 4589 und beim Zeller Land Tourismus unter 06542 9622-13. Am Sonntag, dem 13. September, folgt der Tag des offenen Denkmals mit festem Programm: 15 Uhr Führung, 16 Uhr Vortrag über die Nutzungserweiterung von Sakralbauten, 17 Uhr Orgelkonzert.

Baden lässt sich hier nicht mehr. Die Badeanstalt von 1926 hatte eine 3,5 Meter hohe Rutsche mitten im Fluss; als der Ausbau der Mosel zur Großschifffahrtsstraße Strömung und Wassertiefe veränderte, schloss das Freibad 1963 aus Sicherheitsgründen. Am Ufer im Stuckert stehen heute Wetterschutzhaus, Grillstätte und Spielplatz sowie eine Wassertretanlage nach Kneipp von 1986, die bei Radlern auf dem Moselradweg und auf dem Kanonenbahnweg beliebt ist. Öffentliche Grillabende gibt es dort seit 1991, Auskunft gibt die Gemeindeverwaltung unter 06542 4640.

Mit der Bahn geht es über den Umweltbahnhof in Bullay; von dort holen die Gastgeber Gäste auf Wunsch ab. Der Flughafen Frankfurt-Hahn liegt 15 Kilometer entfernt, aber außerhalb der Flugschneisen. Die Grundschule teilt der Ort mit Pünderich, dessen Fähre zur Marienburg eigene Zeiten hat.

Fähre, Wanderwege, Einkehr und Termine: Stand 3. August 2026.

Wann fährt die Fähre in Briedel?

Seit dem 11. Mai 2026 dienstags und donnerstags von 8 bis 12 und von 12.45 bis 17 Uhr, freitags von 13 bis 17 Uhr und samstags von 8 bis 12 und von 12.45 bis 16 Uhr. Die letzte Überfahrt geht zehn Minuten vor Betriebsende. Sonntags und an Feiertagen fährt die Fähre nicht.

Wie lang ist der Premiumwanderweg Briedeler Schweiz?

10,46 km mit 350 Metern Aufstieg, angesetzt mit 4 Stunden 30 Minuten, Schwierigkeit mittel. Start und Ziel ist der Balduinplatz in Briedel. Ein 0,4 km langer Zuweg führt zum Parkplatz Bummkopf, der als zweiter Einstieg dient.

Woher hat die Weinlage Briedeler Herzchen ihren Namen?

Die Ortsgemeinde erzählt es als Sage: Eine Briedelerin gab dem kranken Sohn eines Fährmanns in Bernkastel-Kues Briedeler Wein zu trinken, und der begrüßte sie auf dem Rückweg mit dem Ruf „Willkommen, mein Briedeler Herzchen!“. Belegt ist der Name als Bezeichnung der besten Lage des Ortes.