Pünderich an der Mosel: Fähre, Fachwerk, Prinzenkopf
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Kurzzusammenfassung
- Der Ortsname geht auf „Pontaricum“ zurück, keltisch für Fährmannsort. Die Fähre fährt 2026 nur mittwochs bis sonntags, 9.30 bis 12 und 13.30 bis 17 Uhr, und kostet 2,50 Euro pro Person.
- Im historischen Kern stehen Fachwerkbauten vom Anfang des 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, darunter das Alte Rathaus von 1548 und das Alte Fährhaus von 1621.
- Die Ortsführung des Heimat- und Verkehrsvereins beginnt alle zwei Wochen um 17 Uhr an der Fähre, kostet 10 Euro einschließlich Weinglas und braucht keine Anmeldung.
Die Bundesstraße 53 führt landseitig an dem Weindorf vorbei, nicht zwischen Häusern und Fluss hindurch. Pünderich mit seinen 867 Einwohnern liegt deshalb tatsächlich an der Mosel, mit Promenade, Nussbaumallee und Wiesen davor. Seit 1981 ist der Ort staatlich anerkannter Erholungsort, und den Titel „Schönstes Dorf im Regierungsbezirk Koblenz“ hat er auch schon geholt.
Der zweite Unterschied zu den Nachbarorten steckt im Namen, und er wirkt bis in die Tagesplanung von Besuchern hinein.
Ein Ort, der nach seiner Fähre heißt
Die älteste bekannte Bezeichnung lautet „Pontaricum“, zusammengesetzt aus dem keltischen „ponto“ für Fährschiff. Der Name bedeutet Fährmannsort. Urkundlich taucht das Dorf 1128 auf, als Papst Honorius dem Kloster Springiersbach einen Hof in „Pundricho“ vermachte; ältere Schreibweisen sind Punterche, Pundriche und Pondreka.
Die Gemeinde schaffte 1879 ihre erste hölzerne Fähre an. Später folgte eine aus Eisen, worüber sich die Leute wunderten, weil sie schwamm. Auf die motorisierte Gierfähre folgte 1974 eine frei fahrende, die noch heute im Dienst ist.
Für den Fährbetrieb 2026 nennt die Ortsgemeinde in einer Mitteilung vom 24. April 2026 diese Zeiten:
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Betriebstage | Mittwoch bis Sonntag |
| Vormittags | 9.30 bis 12 Uhr |
| Nachmittags | 13.30 bis 17 Uhr |
| Einzelticket, eine Person | 2,50 Euro |
| Fahrrad | 1,50 Euro |
Montag und Dienstag bleibt das linke Ufer also unerreichbar, und um 17 Uhr ist Schluss. Das betrifft mehr als eine Flussüberquerung: Von den elf Wandertipps der Ortsgemeinde setzen mehrere die Fähre voraus, darunter die Kanonenbahn-Runde und der Weg zum Briedeler Herzchen. Die Wanderbeschreibungen auf derselben Website nennen noch 1 Euro pro Überfahrt. Maßgeblich ist die Mitteilung vom April 2026.
Kurios ist, dass ausgerechnet dieser Ort einmal zwei Bahnhöfe hatte. Mit der Strecke Trier–Koblenz kam 1880 der erste, allerdings auf der gegenüberliegenden Moselseite. Die Moseltalbahn nach Trier, im Volksmund Saufbähnchen, wurde am 20. August 1905 eröffnet; zwei Tage vorher stellte man den Postkutschendienst ein. Sie hielt 55 Jahre. Ihr Bahnhofsgebäude steht noch im Ort, der andere fiel 1974 der Elektrifizierung zum Opfer. Eine Straße heißt bis heute „Alte Moselbahn“, dort stehen Signal, Schienen und eine Schautafel.
Fachwerk am Fährkopf
Direkt am Anleger bilden das Alte Fährhaus von 1621 und das Alte Rathaus von 1548 ein Ensemble, das die Ortsgemeinde als Musterbeispiel dekorativen Fachwerks an der Mosel führt. Das Rathaus hat einen runden Treppenturm, über dessen Tür steht: „Fred in disem Hus – Ders net Helt Bleib Drus“.
Das älteste Wohnhaus stammt von 1516 und trägt einen großen Erker; bei der Freilegung des Fachwerks kam ein Schacht zum Vorschein, der offenbar der Signalisierung mit Feuerzeichen diente. An seiner Wand steht noch die napoleonische Hausnummer aus der Zeit, als das Haus als Offizierskasino diente. Das schiffförmige „Weinschiffchen“ von 1517 hat Brüstungsfelder in Rautenform und ein Fachwerkoval mit Sonnensymbol über der geteilten Tür. Ein schmales Haus von 1565 zeigt am rechten Eckpfosten das Wappen des Trierer Kurfürsten Johann VI. von der Leyen.
Viele dieser Häuser tragen eine Holztafel mit ihrer Geschichte. Der Rundgang vom Fährkopf durch Kirchstraße, Rathausstraße und Eltzer Straße dauert nach Angabe der Ortsgemeinde ein bis anderthalb Stunden, über gepflasterte und geteerte Wege. An einem der ehemaligen Zehnthäuser markiert eine Holzleiste neben der Tür frühere Hochwasserstände.
Die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt geht auf einen Neubau von 1766 zurück, errichtet vom Baumeister der Springiersbacher Kirche. Gut gemacht war er nicht: Schon wenige Jahre später musste ein Baudirektor Gewölbe und Dachstuhl richten lassen. Auf der Empore steht eine Stumm-Orgel.
Führungen durch den Kern übernimmt der Heimat- und Verkehrsverein. Treffpunkt ist 17 Uhr an der Fähre, der Beitrag beträgt 10 Euro einschließlich eines Pündericher Weinglases, eine Anmeldung ist nicht nötig. Geführt wird alle zwei Wochen montags, in diesem Jahr noch bis zum 19. Oktober.
Warum die Pündericher Gesetzkrämer heißen
1618 legte sich die Gemeinde ein Gemeindeartikelbuch zu, das Gemeindeleben, Bauvorschriften und Feuerverhütung regelte. Den Nachbarn galt das als Überregelung, und seither tragen die Einwohner den Spitznamen „Pinaricher Gesetzkrämer“. Eine gewisse Prozessbereitschaft sagte man ihnen dazu nach. Der örtliche Karnevalsverein heißt bis heute so.
Wohlhabend war der Ort auch: Nach der Steuerliste von 1652 standen 56 Kelterstationen im Dorf. Bemerkenswert ist die Pestbilanz derselben Zeit. Der Ort verlor nach der Ortschronik 5,3 Prozent seiner Bevölkerung, das benachbarte Bremm 55 Prozent. Warum es hier so glimpflich ausging, sagt die Chronik nicht.
Härter traf ihn das 19. Jahrhundert: Missernten und Hungersnöte trieben binnen weniger Jahre rund 220 Bürger nach Brasilien und Nordamerika, bei damals knapp 800 Einwohnern.
Marienburg und Nonnengarten
Die Weinlagen des Ortes heißen Goldlay, Marienburg, Nonnengarten und Rosenberg. Zwei davon beschreibt die Ortsgemeinde genauer. Der Südhang der Pündericher Marienburg steht auf rötlichem, weichem Devonschiefer mit hohem Eisenoxydgehalt; die Weine gelten als klassisch-elegant und zeigen in der Reife oft Röstaromen nach Mokka. Im nach Südwesten gerichteten Nonnengarten ist derselbe Schiefer von rotem Sandstein durchsetzt, der nur hier hervortritt und „die rote Ader“ genannt wird.
Hinter die Kellertüren kommt man beim Kellertürchen. Start ist 17 Uhr an der Fähre, es folgen Secco zur Begrüßung, ein Rundgang durch den Ort und der Besuch von drei Weingütern mit Wein und Fingerfood. Das kostet 18 Euro pro Person und findet ab zehn Teilnehmern statt. Angesetzt sind fünf Freitage zwischen dem 21. August und dem 23. Oktober 2026.
Die kleine Variante läuft dienstags und endet am 11. August 2026. Sie startet ebenfalls um 17 Uhr, aber am Eichamt an der Ecke Eichamtstraße/Düppelstraße, führt zu zwei Weingütern und bietet je zwei Proben mit Brot. Anmeldungen nimmt der Veranstalter am Veranstaltungstag bis 16 Uhr an, für die große Runde bis 12 Uhr.
Dazu kommen Straußwirtschaften und Vinotheken, die ihre Zeiten jeweils selbst festlegen; die Ortsgemeinde führt sie auf einer eigenen Seite zusammen. Mehr zum Steillagen-Riesling steht im Überblick zu den Weingütern an der Mosel und zur Lage Zeller Schwarze Katz im nahen Zell, zu dessen Pfarrei Zeller Hamm die Kirchengemeinde des Ortes heute gehört.
Prinzenkopf, Viadukt und Wanderwege
Der Aussichtspunkt über der Moselschleife hieß früher Pferdskopf. 1818 frühstückte der preußische Kronprinz dort in einer eigens errichteten Laube, im Jahr darauf kam ein weiterer Prinz, und die Bevölkerung benannte die Höhe nach den Besuchern um. Damals war der Platz baumfrei und wurde als Vierseenplatz gerühmt.
1894 gründete sich in Alf ein Turmbauverein, der zunächst einen zerlegten Vermessungsturm aus dem Kondelwald heraufschaffte. Der hielt dem Wetter nicht stand. Im Sommer 1899 wurde ein Bruchsteinturm von rund 20 Metern eingeweiht, den der Traben-Trarbacher Lokalanzeiger als „durchaus solid und bombenfest“ beschrieb. Neun Jahre später bekam er ein Dach mit bunter Verglasung, was die Aussicht in Fensterscheiben zerlegte und der Zeitung eine spöttische Notiz wert war. Im Zweiten Weltkrieg diente der Turm anfliegenden Bombern als Richtpunkt für die Eisenbahnbrücke bei Bullay und wurde gesprengt. 1980 folgte ein Holzturm, 2009 der heutige Stahlturm; die Ortsgemeinde druckt dazu das Grußwort des Verbandsbürgermeisters zur Einweihung vom 11. Juli 2009 ab. Wege, Maße und Aussicht stehen im eigenen Beitrag zum Prinzenkopfturm. Die Ortschronik von Bullay datiert dieselbe Eröffnung auf Oktober 2008. Beide Angaben stehen unverändert auf den Seiten der jeweiligen Gemeinde.
Von unten sieht man das zweite große Bauwerk der Gegend: das Hangviadukt auf der anderen Uferseite, nach Angabe der Ortsgemeinde mit 97 Bögen das längste Europas, dahinter der Tunnel. Der Themenweg Kanonenbahn führt über die Panoramaplattformen Kleiner Voyeur und Großer Voyeur; die kleine Runde ab Fährkopf misst etwa 5 Kilometer und beginnt mit der Überfahrt. Der Moselhöhenweg ab der Kirche ist mit rund 10 Kilometern länger und verlangt festes Schuhwerk, weil im Wald Wurzeln und Äste auf dem Pfad liegen. Für einen ruhigen Nachmittag reicht der Reiler Goldlay Weg mit etwa 6 Kilometern über befestigte Wege. Der Moselradweg läuft am Ufer entlang, der Campingplatz liegt an der Strecke Richtung Reil und taucht auch im Vergleich der Campingplätze im Kreis auf.
Am Moselufer zwischen Fähre und Spielplatz steht eine Tischtennisplatte. Hier widersprechen sich zwei Seiten der Ortsgemeinde: Die Ortsbeschreibung sagt, Schläger und Bälle lägen in einem Kasten an der Platte, die Freizeitseite bittet darum, Schläger mitzubringen. Ein Satz Schläger im Gepäck löst das Problem.
Anreise, Öffnungszeiten und Feste
Die Anreise mit der Bahn endet in Bullay. Die Fernverkehrszüge aus Koblenz und Trier kommen dort zur vollen Stunde an, die Nahverkehrszüge zur halben, alle im Stundentakt. Die Buslinie 720 verbindet Bullay mit Traben-Trarbach, der Flughafen Frankfurt-Hahn liegt rund 25 Kilometer entfernt.
Die Touristinformation in der Raiffeisenstraße 3 öffnet in der Saison von April bis Ende Oktober dienstags und donnerstags von 10 bis 12 Uhr, freitags von 15 bis 17 Uhr und samstags von 10 bis 12 Uhr. Montag und Mittwoch ist zu, sonn- und feiertags ebenfalls. Dort gibt es auch die gedruckte Dorfchronik für 35 Euro. Von November bis März ist das Büro nicht regelmäßig besetzt; in dieser Zeit hilft die Tourist-Information Zeller Land in der Balduinstraße 44 in Zell weiter, Telefon 06542 96220. Eine E-Bike-Ladestation steht an der Ecke Kirchstraße/Marienburgerstraße.
Drei Feste prägen das zweite Halbjahr: die Weinkirmes am Moselufer vom 14. bis 16. August 2026, das Oben Air Festival vom 4. bis 6. September und die Pündericher Weinkehr vom 18. bis 20. September. Für das Oben Air nennt der Kalender der Ortsgemeinde bislang nur die Tage. Alle Termine des Ortes stehen in der Terminübersicht.
Quellen: Ortsgemeinde Pünderich, Stand 2. August 2026.
Wann fährt die Fähre in Pünderich?
Im Fährbetrieb 2026 mittwochs bis sonntags von 9.30 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 17 Uhr. Das Einzelticket kostet 2,50 Euro pro Person, ein Fahrrad 1,50 Euro. Montags und dienstags fährt die Fähre nicht. Angaben der Ortsgemeinde vom 24. April 2026.
Was bedeutet der Name Pünderich?
Die älteste Bezeichnung lautet „Pontaricum“ und geht auf das keltische Wort „ponto“ für Fährschiff zurück. Übersetzt heißt der Name Fährmannsort. Urkundlich erscheint der Ort 1128 als „Pundricho“.
Was kostet eine Ortsführung in Pünderich?
10 Euro pro Person einschließlich eines Pündericher Weinglases. Treffpunkt ist um 17 Uhr an der Fähre, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Geführt wird alle zwei Wochen montags, in diesem Jahr noch bis zum 19. Oktober.
Wie kommt man ohne Auto nach Pünderich?
Über den Bahnhof Bullay: Fernverkehrszüge aus Koblenz und Trier halten dort zur vollen Stunde, Nahverkehrszüge zur halben, jeweils stündlich. Ab Bullay fährt die Buslinie 720 in Richtung Traben-Trarbach.
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