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Bullay an der Mosel: Doppelstockbrücke, Bahnhof, Brautrock

 · 10 Min. Lesezeit

Stahlfachwerkbrücke über die winterliche Mosel mit einem roten Regionalzug, dahinter der Ort Bullay im Tal
Foto: Rolf Kranz, CC BY-SA 4.0 (skaliert), via Wikimedia Commons

Kurzzusammenfassung

  • Die Brücke zwischen Bullay und Alf war die erste Doppelstockbrücke Deutschlands: oben liegt die Moselstrecke, unten die Landesstraße 199, und auf der anderen Uferseite läuft die Bahn direkt in den Prinzenkopftunnel.
  • Der Weinlehrpfad durch die Lage Brautrock ist 2,78 Kilometer lang und beginnt rund 300 Meter vom Bahnhof. Ausgeschildert ist er nicht, es gibt nur eine Übersichtstafel am Start.

Bullay nennt sich das Tor zur Mittelmosel, und dahinter steckt eine Entfernungsangabe statt einer Werbeformel: Der Ort liegt geografisch etwa in der Mitte zwischen Trier und Koblenz. Dazu kommt ein Bahnhof, den die Ortsgemeinde als einen der wichtigsten der Region führt. IC, RE und RB halten hier, aus beiden Richtungen.

Im Ortskern stehen winklige Gassen und alte Fachwerkbauten, am Wasser eine Uferpromenade, die die Ortsgemeinde als eine der längsten aller Moselorte bezeichnet. Im Landeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ ist der Ort mehrfach ausgezeichnet worden.

Der zweite Grund, warum man den Namen kennt, steht quer über dem Fluss. Ende 2022 zählte die Gemeinde 1.744 Einwohner mit Hauptwohnsitz. Das Bauwerk davor ist deutlich größer als der Ort.

Deutschlands erste Doppelstockbrücke

Die Moselbrücke zwischen Alf und Bullay entstand von 1875 bis 1878 beim Bau der Moselstrecke Koblenz–Trier im Zuge der Kanonenbahn. Geplant war zunächst eine reine Eisenbahnbrücke. Erst nachdem sich die umliegenden Gemeinden, der Landkreis und Unternehmer an den Kosten beteiligten, genehmigte die preußische Regierung den doppelten Aufbau: Über den Obergurt läuft die Bahn, auf dem Untergurt die Landesstraße 199.

Sie war damit die erste Doppelstockbrücke in Deutschland und ist bis heute neben den beiden Bauwerken der Biggetalbahn eine von nur dreien ihrer Art. Die Brücke misst 314 Meter, allein die Stromöffnung überspannt 88 Meter. Weil das Transportaufkommen wuchs, wurde sie 1928 und 1929 umgebaut und verstärkt; seither trägt sie 2.000 Tonnen Stahl. Auf der Alfer Seite endet die Fahrt über den Fluss ohne Übergang: Der Zug fährt vom letzten Pfeiler direkt in den Prinzenkopftunnel.

Über die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg gehen die Darstellungen auseinander. Die Baugeschichte der Brücke nennt den 10. Februar 1945 und einen Luftangriff amerikanischer Jagdbomber; die Bullayer Ortschronik gibt einen Zeitzeugen wieder, nach dem die deutsche Wehrmacht die Brücke auf dem Rückzug sprengte. Einig sind sich beide über die Folge. Bis zur Wiederinbetriebnahme am 24. April 1947 mussten Reisende in Eller aussteigen und mit ihrem Gepäck bis zum Tunnelmund auf der Alfer Seite laufen, geschätzte acht Kilometer. Junge Männer aus den Nachbarorten machten daraus ein Geschäft: Mit Leiterwagen und zweirädrigen Karren standen sie in Eller und am Tunneleingang bei Alf und trugen Gepäck. Heute steht die Brücke als Kulturdenkmal in der Denkmalliste des Landes; zuletzt saniert wurde sie 1999 und 2000.

Der Bahnhof, und was am Gleis noch dranhängt

Der Umweltbahnhof von 2000 verbindet Bahnsteig, Busbahnhof und Park-and-ride an einer Stelle und hat dafür einen Architekturpreis bekommen. Im Empfangsgebäude steht ein EC-Automat, in der Wartehalle ein öffentliches Bücherregal, die behindertengerechte Toilette liegt am Bahnhof selbst. Zu Bus und Bahn berät hier die Transdev Vertrieb GmbH in einem Fahrgastzentrum, das seit dem Frühjahr 2026 im neuen ÖPNV-Design des Landkreises eingerichtet ist.

Vier Buslinien gehen von hier ab: die R 710 über Ediger-Eller und Senheim nach Cochem, die R 711 nach Zell, die R 720 über Zell, Briedel, Pünderich, Reil, Burg und Enkirch nach Traben-Trarbach und die R 729 nach Neef.

Historisch hing am Bahnhof noch mehr. Am 19. August 1905 ging die Moseltalbahn nach Trier in Betrieb, einspurig, mit 38 Haltestellen und einer Fahrzeit von fast vier Stunden für die Strecke. Ihren Spottnamen „Saufbähnchen“ verdankte sie dem Gerücht, das Zugpersonal habe sich unterwegs den einen oder anderen Schoppen genehmigt. Ende 1962 wurde sie stillgelegt, wenige Jahre später der Betrieb ganz eingestellt. Auf der alten Trasse laufen heute teils Straßen, teils Radwege. Ein Nachklang aus dem Sommer 2026: Beim Namenswettbewerb der DB gehört Bullay zu den Siegergemeinden und wird Namenspate eines Triebwagens zwischen Koblenz beziehungsweise Trier und Perl/Schengen. Ortsname und Gemeindewappen kommen auf den Zug.

Nach Alf auf der anderen Uferseite geht es mit der Personenfähre unterhalb der Brücke. Sie fährt von März bis Oktober und nimmt Fahrräder mit. Von Mai bis September gilt montags bis donnerstags 8 bis 18 Uhr, freitags 8 bis 19 Uhr, samstags, sonntags und feiertags 10 bis 19 Uhr, täglich mit Mittagspause von 12 bis 12.30 Uhr (Stand August 2026, Telefon 0175 8869724). Die Zeiten für März, April und Oktober samt Ruhetagen stehen im Ortsporträt Alf an der Mosel. Für die Post geht es ohnehin über den Fluss: Die Postagentur liegt in Alf, Koblenzerstraße 17, in der Bäckerei Lutz.

Brautrock: eine Lage, drei Winzer, ein Lehrpfad ohne Wegweiser

Von rund 30 überlieferten Weinbergsnamen sind in Bullay drei Lagen übrig geblieben. Die größte und bekannteste ist der Bullayer Brautrock, benannt nach einer Geschichte über einen verarmten Grafen, dessen Sohn eine wohlhabende Braut heiratete: Der Brautvater nahm den Weinberg als Pfand für die Aussteuer, überschrieb ihn dann aber der Tochter, damit sie eigenes Einkommen hätte, falls der junge Graf weiterfeiert wie sein Vater. Daneben stehen der Graf-Beißel-Herrenberg und das frühere Versuchsweingut Sonneck, das 1990 vom Land an private Hand ging.

Der Bestand ist geschrumpft. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts zählte man in Bullay 46 Winzerbetriebe, heute sind es drei im Haupterwerb und einige wenige im Nebenerwerb. Angebaut wird vor allem Riesling, dazu Müller-Thurgau und Kerner, bei den Roten Dornfelder und Blauer Spätburgunder.

Durch die Brautrock-Lage führt der Weinlehrpfad, Start und Ziel „Im Tal“, 2,78 Kilometer, rund 50 Minuten, 103 Höhenmeter, als leicht eingestuft. Auf 16 Tafeln geht es um Weinbau allgemein, um die Bullayer Lagen und die Rebsorten, oben wartet die Straußwirtschaft Onkel Toms Hütte. Ein Punkt gehört vorher gesagt: Der Weg ist nicht ausgeschildert. Am Beginn steht eine Übersichtstafel mit dem Verlauf, und die sollte man sich einprägen, sonst übersieht man leicht eine Abzweigung. Mit dem Auto führt der Weg über die B 53 oder die L 199 und dann die Graf-Beissel-Straße bis „Im Tal“. Vom Bahnhof sind es rund 300 Meter zu Fuß.

Was der Ort von seiner Geschichte übrig hat

1150 taucht Bullay erstmals in einer Urkunde auf, als „Buley infra Cell“. Bis 1806 gehörte der Ort verschiedenen niederrheinischen Adelsgeschlechtern und war ringsum von kurtrierischen Dörfern umgeben. Damit galt hier anderes Recht als nebenan: Wer sich auf trierischem Gebiet strafbar gemacht hatte, war in Bullay vor den Bütteln des Erzbischofs sicher. Daher stammt der Spruch „Küss mich zu Bullay“.

Drei Bauten aus dieser langen Reihe stehen noch. In der Zehnthausstraße 18 steht das älteste erhaltene Schulhaus der Mittelmosel aus dem 17. Jahrhundert, restauriert und in privater Hand. Welche Häuser derselben Straße unter Denkmalschutz stehen und was auf einem Rundgang durch den alten Ortskern sonst noch zu sehen ist, steht in Bullay Altstadt. Den jüdischen Friedhof in der Nispelter Kehr pflegt die Gemeinde. Und das türkisch-islamische Kulturhaus am Grünen Weg, 2007 eröffnet, ist die einzige Moschee im Kreis Cochem-Zell.

Oberhalb des Ortes, an der engsten Stelle der Moselschleife um die Marienburg, liegt der Prinzenkopf. Um 1894 stand dort ein steinerner Turm. Im Zweiten Weltkrieg sprengten ihn deutsche Truppen, damit alliierte Bomber bei Angriffen auf die Brücke keinen Orientierungspunkt hatten. Der hölzerne Nachfolger war 2005 nicht mehr begehbar. Sechs Moselgemeinden der Verbandsgemeinde und die Verbandsgemeinde Zell errichteten daraufhin gemeinsam einen Stahlturm, mitfinanziert aus EU-Mitteln, eröffnet im Oktober 2008. So steht es in der Bullayer Ortschronik. Die Chronik der Ortsgemeinde Pünderich, auf deren Gemarkung der Turm steht, datiert die Einweihung dagegen auf den 11. Juli 2009, zählt acht beteiligte Kommunen aus zwei Landkreisen auf und nennt als größte Geldgeber das Land Rheinland-Pfalz mit 100.000 Euro und die Verbandsgemeinde Zell mit 30.000 Euro. Beide Fassungen stehen unverändert bei ihrer jeweiligen Gemeinde; welche stimmt, ist daran nicht zu entscheiden. Drei Kilometer entfernt liegt die Marienburg, ein früheres Nonnenkloster und heute Jugendbildungsstätte des Bistums Trier, mit Blick auf die Moselschleife Zeller Hamm. Für Wanderungen nennt die Ortsgemeinde außerdem den Moselsteig, der 2016 als Deutschlands schönster Wanderweg ausgezeichnet wurde.

Herbstfest vom 10. bis 14. September 2026

Das Bullayer Herbstfest fällt auf das zweite Septemberwochenende und dauert von Donnerstag, 10. September, bis Montag, 14. September 2026. Der Eintritt kostet an allen Tagen nichts. Gefeiert wird seit 1964, als der Nachbarort Neumerl eingemeindet wurde; schon damals war das Zelt für bis zu 8.000 Besucher ausgelegt, und getragen wird das Fest von mehr als 200 ehrenamtlichen Helfern.

Die festen Punkte: Freitag um 18 Uhr Eröffnung mit den Weinmajestäten, anschließend Weinprobe mit neun Proben für 21 Euro zuzüglich 4 Euro Pfandglas. Der Vorverkauf startet am 31. August 2026 bei der Weinmanufaktur in der Fährstraße 6, das Kartenkontingent ist begrenzt. Samstag um 12 Uhr öffnet der Weinbrunnen, um 15.30 Uhr startet am Umweltbahnhof der Festumzug mit 30 Gruppen und fünf Kapellen, um 21 Uhr steigt am Moselufer das Feuerwerk. Die Ochsenbräterei bereitet an einem Festwochenende drei Ochsen zu, rund eine Tonne Rindfleisch. Montags gibt es zum Ausklang hausgemachte Erbsensuppe.

Bei der Anreise ist der Engpass das Parken: In Festnähe gibt es wenige Plätze, am Umweltbahnhof eine begrenzte Zahl. Der bessere Weg führt über die andere Moselseite, denn an den Festtagen fährt die Fähre nach Alf auch nachts. Also in Alf parken und übersetzen.

Über das Jahr verteilt hat Bullay einen festen Terminrahmen: Prinzenproklamation am ersten Januarwochenende, die Kirmes der Feuerwehr am zweiten Juliwochenende, das Sommerfest des Heimat- und Verkehrsvereins am dritten, Theater am Wochenende vor dem ersten Advent und der Weihnachtsmarkt am ersten Advent. Auskunft gibt die Tourist-Information am Lindenplatz 2 im Reisebüro Ulfra Tours, Telefon 06542 21141, montags bis freitags 9 bis 12.30 und 14 bis 18 Uhr. Samstags ist geschlossen, Wanderkarten und Angelscheine holt man also unter der Woche. Die Bürgersprechstunde der Ortsgemeinde findet dienstags und donnerstags von 18.15 bis 19.30 Uhr im Gemeindebüro in der Mehrzweckhalle statt, Telefon 06542 2545.

Quellen: Ortsgemeinde Bullay, Ortsgemeinde Alf, Zeller Land Tourismus und die Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz, Stand 1. August 2026.

Was ist die Doppelstockbrücke in Bullay?

Die Moselbrücke zwischen Alf und Bullay, gebaut 1875 bis 1878, war die erste Doppelstockbrücke Deutschlands. Oben verläuft die Bahnstrecke Koblenz–Trier, unten die Landesstraße 199. Sie ist 314 Meter lang und steht als Kulturdenkmal in der Denkmalliste des Landes.

Wie kommt man mit der Bahn nach Bullay?

Der Umweltbahnhof Bullay wird von IC, RE und RB aus Koblenz und Trier bedient. Vom Bahnhof gehen vier Buslinien ab: die R 710 nach Cochem, die R 711 nach Zell, die R 720 nach Traben-Trarbach und die R 729 nach Neef.

Wann ist das Bullayer Herbstfest 2026?

Von Donnerstag, 10. September, bis Montag, 14. September 2026. Der Eintritt ist an allen Tagen frei. Höhepunkte sind die Weinprobe am Freitag, der Festumzug am Samstag um 15.30 Uhr und das Feuerwerk am Samstag um 21 Uhr.

Wie lang ist der Weinlehrpfad Bullay?

2,78 Kilometer mit 103 Höhenmetern, Gehzeit rund 50 Minuten, Start und Ziel „Im Tal“. Auf 16 Tafeln geht es um die Bullayer Weinlagen und die Rebsorten. Der Weg ist nicht ausgeschildert, am Start steht eine Übersichtstafel.