Prinzenkopfturm bei Pünderich: Aufstieg, Aussicht, Anfahrt
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Kurzzusammenfassung
- Der Stahlturm auf dem Prinzenkopf ist jederzeit geöffnet.
- Der kürzeste Zugang führt über den Parkplatz der Marienburg, von dort sind es rund zehn Gehminuten.
- Gesperrt war nur der hölzerne Vorgänger; er wurde 2008 abgerissen.
Der Prinzenkopf liegt 220 Meter über dem Meeresspiegel und 125 Meter über der Mosel, auf dem schmalen Rücken mitten in der Schleife des Zeller Hamm. Oben steht seit 2009 ein Stahlturm mit weit ausladendem Dach auf einem Sockel, der mit heimischem Bruchstein verblendet ist. Er ist jederzeit geöffnet (Stand September 2026). Die schnellste Zufahrt ist der große Parkplatz an der Marienburg über Pünderich: von dort sind es rund zehn Gehminuten über den Höhenkamm.
Vier Wege hinauf, und einer davon lohnt sich besonders
Die Marienburg selbst ist eine Jugendbildungsstätte und kann nur von außen besichtigt werden. Ihr Parkplatz ist trotzdem der praktische Ausgangspunkt: Er liegt oben auf dem Grat, dort, wo sich die Moselschleife auf weniger als 300 Meter verengt. Fürs Navigationsgerät reicht die Jugendbildungsstätte Marienburg in 56856 Zell (Mosel), Telefon 06542 93680.
Ab dem Fährkopf in Pünderich führt die kleine Runde des Themenwegs Kanonenbahn über rund fünf Kilometer und beginnt mit der Überfahrt. Die Fähre „Marienburg” fährt 2026 mittwochs bis sonntags von 9.30 bis 12 und von 13.30 bis 17 Uhr, das Einzelticket kostet 2,50 Euro, das Fahrrad 1,50 Euro. Die Ortsgemeinde stuft die Runde als einfach bis mittel ein, mit Steigungen und Treppen; unterwegs liegen die Panoramaplattformen „Kleiner Voyeur” und „Großer Voyeur”.
Vom Bahnhof Bullay aus sind es etwa sechs Kilometer. Diese Runde nimmt zuerst das Ausflugsschiff moselaufwärts nach Pünderich, dann die Fähre, danach über 300 Treppenstufen zur Marienburg und erst von dort eine halbe Stunde zum Turm. Die große Runde des Kanonenbahnwegs ist eine andere Größenordnung: 23,89 Kilometer, sieben Stunden, Schwierigkeit „schwer”, Start und Ziel am Umweltbahnhof Bullay.
Für einen Nachmittag ist die kleine Kanonenbahn-Runde ab Pünderich die beste Wahl: Sie bündelt Fähre, Weinberg, Viadukt und Turm auf fünf Kilometern und endet wieder am Fährkopf. Mit Kindern oder mit schwachen Knien ist der Marienburg-Parkplatz die bessere Adresse, dann bleibt nur das letzte Stück zu Fuß. Von der Bahn aus ist Bullay der Ausgangspunkt, aber die 300 Stufen zur Marienburg gehören eingeplant.
Am Kanonenbahnweg liegt die Drieschhütte mit Blick auf Pünderich. Sie öffnet von Karfreitag bis Ende Juni sowie im September und Oktober, samstags, sonntags, feiertags und an Brückentagen von 11 bis 17 Uhr.
113 Stufen, 27,30 Meter
Der Grundriss des Stahlgerüsts misst 5 mal 5 Meter, das Grundgeschoss 6,5 mal 6,5 Meter. Die Aussichtsplattform liegt rund 18 Meter über dem Fundament und damit 143 Meter über der Mosel. Bis zur Turmspitze sind es 27,30 Meter. Vom Erdreich führen 113 Stufen auf die Plattform, weitere 18 vom Zugangsweg herauf. Verbaut wurden gut 22 Tonnen Stahl.
Die Stufen haben eine eigene Geschichte. Zur Finanzierung wurden die Treppenstufen symbolisch für je 250 Euro verkauft, über 130 davon gingen an Familien, Vereine, Firmen und Gäste. Getragen hat den Bau ein Verbund aus acht Gemeinden in zwei Landkreisen und drei Verbandsgemeinden: Alf, Briedel, Bullay, Burg, Pünderich, Reil, St. Aldegund und die Stadt Zell. Das Land Rheinland-Pfalz gab 100.000 Euro, die Verbandsgemeinde Zell 30.000, der Hauptsponsor 20.000. Der Entwurf stammt aus einem Gestaltungswettbewerb unter Bauingenieur-Studenten der FH Koblenz.
Am ersten Öffnungstag, dem Pfingstsonntag 2009, wurden 974 Besucher gezählt. Die offizielle Einweihung folgte am 11. Juli desselben Jahres.
Gesperrt war der Vorgänger
Der hölzerne Vorgänger war 2005 aus Sicherheitsgründen gesperrt worden und wurde im September 2008 von der THW-Ortsgruppe Zell abgerissen, unmittelbar vor dem Neubau. Von Oktober 2008 bis Juni 2009 entstand der heutige Stahlturm. Hinweise auf einen gesperrten Turm stammen aus dieser Zeit und gelten nicht für den Stahlturm.
Was von oben zu sehen ist
Der Blick reicht von Reil bis zum Bremmer Calmont, über die fast 14 Kilometer lange Moselschleife des Zeller Hamm, die Hunsrückhöhen und den Kondelwald. Bullay und Alf liegen praktisch vor den Füßen, im Norden die Staustufe St. Aldegund, im Westen thront die Burg Arras auf ihrem bewaldeten Hügel. Der Turm steht über dem Prinzenkopftunnel, aus dem die Züge kommen, bevor sie über die Bullayer Doppelstockbrücke einfahren: die erste Brücke in Deutschland, die Fahrzeuge und Bahn übereinander führte, gebaut 1877.
Dass es den Turm überhaupt braucht, hat einen Grund, den man oben nicht mehr sieht. Bei den Prinzenbesuchen war die Höhe baumfrei und wurde als „Vierseenplatz” gerühmt. Erst die im 19. Jahrhundert angelegte Fichtenkultur nahm die Aussicht wieder weg, und über die Wipfel kommt seither nur, wer steigt.
Unmittelbar unter dem Turm liegt das Pündericher Hangviadukt, gebaut von 1876 bis 1880 für 460.000 Mark: 786 Meter lang, mit mehr als 90 Bögen. Zeller Land Tourismus zählt es zu den längsten Hangviadukten Europas.
Drei Türme vor dem Stahlturm
Die Namensgebung ist unstrittig. 1818 frühstückte der preußische Kronprinz auf dem damaligen Pferdskopf in einer eigens errichteten Laube, 1819 kam ein weiterer Prinz, und die Bevölkerung benannte die Höhe nach den Besuchern um.
Den ersten Holzturm, einen ausrangierten Vermessungsturm aus dem Kondelwald, schafften Alfer Vereine Ende des 19. Jahrhunderts herauf, je nach Überlieferung die Ortsgruppe des Eifelvereins oder ein Turmbauverein.
Der steinerne Nachfolger entstand um die Jahrhundertwende, zwischen 1899 und 1904. Einige Jahre später bekam er für 2.500 Mark ein Dach mit bunter Verglasung, die vier Scheibenfarben standen für die vier Jahreszeiten. Die Rundverglasung schützte die Besucher zudem vor Wind, Regen und lästigen Flugameisen. Das Ende ist wieder eindeutig: Der Turm diente den Bomberverbänden als Richtpunkt für die Eisenbahnbrücke und wurde am 15. März 1945 von der amerikanischen Armee gesprengt.
Anfang der 1980er Jahre entstand wieder ein Holzturm, mit offener Aussichtsplattform in 18 Metern Höhe. Pünderich stellte das Holz, Alf übernahm die 60.000 D-Mark Baukosten.
Turm, Wege, Fähre und Geschichte: Stand 8. September 2026.
Ist der Prinzenkopfturm geöffnet?
Ja, jederzeit. Hinweise auf eine Sperrung betreffen den hölzernen Vorgänger, der 2008 abgerissen wurde.
Wie kommt man am schnellsten hinauf?
Über den Parkplatz an der Marienburg oberhalb von Pünderich. Von dort sind es rund zehn Gehminuten über den Bergrücken.
Wie hoch ist der Turm und wie viele Stufen hat er?
Bis zur Spitze sind es 27,30 Meter, die Aussichtsplattform liegt rund 18 Meter über dem Fundament. 113 Stufen führen vom Erdreich auf die Plattform, weitere 18 vom Zugangsweg herauf.
Was sieht man von der Plattform?
Das Moseltal von Reil bis zum Bremmer Calmont, die fast 14 Kilometer lange Schleife des Zeller Hamm, die Hunsrückhöhen und den Kondelwald. Direkt unter dem Turm liegen das Pündericher Hangviadukt und die Doppelstockbrücke von Bullay.
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