Düngenheim bei Kaisersesch: Schiefer, Wegekreuze, Halle
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Kurzzusammenfassung
- Düngenheim liegt auf 430 Metern zwischen Mayen und Kaisersesch und ist mit 1.294 Einwohnern (31. Dezember 2025) die größte Ortsgemeinde der Verbandsgemeinde Kaisersesch.
- Von den 18 Kulturdenkmälern der Landesliste sind elf Kreuze. Das älteste datierte Stück sind zwei Wegesteine von 1613, seit 2025 an der Gemeindehalle.
- 1861 lagen neun von 295 Dachschiefergruben des Eifel-Zuges in der Gemarkung; die letzte Grube der Umgebung schloss im März 1969.
- Die Mehrzweckhalle wird seit dem 1. Oktober 2025 nach einer neuen Benutzungsordnung vergeben, die Polterabende, Abiturfeiern und Feiern zum 18. Geburtstag ausdrücklich ausschließt.
Das Dorf sitzt auf 430 Metern, auf 1,4 Kilometern Länge gestreckt, zwischen Mayen und Kaisersesch am Rand des Landkreises Cochem-Zell. 9,31 Quadratkilometer, 139 Einwohner je Quadratkilometer, Postleitzahl 56761, Vorwahl 02653. Dazu gehören die Wohnplätze Kinderheim St. Martin, Lehnholz und Weierthalerhof. Die Ortsgemeinde rechnet mit rund 15 Minuten Fahrzeit nach Mayen und nach Cochem, 30 nach Koblenz und 60 nach Köln.
Bei der Größe widersprechen sich die amtlichen Seiten scheinbar: Die Verbandsgemeinde Kaisersesch nennt den Ort die zweitgrößte Gemeinde, die Gemeindeseite selbst die größte, Wikipedia die größte Ortsgemeinde. Genau ist die dritte Angabe. Die Stadt Kaisersesch zählt 3.268 Einwohner und liegt damit vorn, unter den Ortsgemeinden führt Düngenheim vor Masburg mit 1.095. Veraltet ist nur die Einwohnerzahl selbst: Die Gemeindeseite steht bei 1.420 aus dem Jahr 2009, die Verbandsgemeinde bei „rund 1.400“. Amtlich sind 1.294 zum 31. Dezember 2025.
Die Urkunde vom 11. Juli 1097 und 600 Jahre Kloster Stuben
In der ältesten bekannten Urkunde, datiert auf den 11. Juli 1097, bestätigt der Trierer Erzbischof Egilbert von Ortenburg eine Schenkung an das Simeonsstift in Trier. Neben Gütern in sieben weiteren Orten geht es um „et apud dunechinga quiquid ibidem habuit“. Später erscheint der Name als Dunichenheim (1140), Thunechingin (1179) und Dungingen (1475). 1997 hat der Ort sein 900-jähriges Jubiläum gefeiert.
Prägender als der Erzbischof war ein Frauenkloster an der Mosel. 1140 schenkte Erzbischof Albero dem Nonnenkloster Stuben bei Bremm den Zehnten aus der Rodung des Bischofswaldes; 1190 bestätigte ein Nachfolger dem Kloster die „Capelle zu tunechyngen“. Damit durfte Stuben die Pfarrstelle besetzen und zog den Zehnten ein, später beziffert mit 16 Malter Korn plus sieben Heller je Bürger; im Gegenzug hatte es Kirche und Priester zu unterhalten. Über 600 Jahre hielt das Kloster diesen Besitz, bis französische Truppen Ende des 18. Jahrhunderts das linke Rheinufer besetzten. Weltlich gehörte der Ort von 1294 bis 1795 zum kurtrierischen Amt Kaisersesch, ab 1815 zur preußischen Bürgermeisterei Kaisersesch im Kreis Cochem, damals mit 487 Einwohnern samt Lehnholzer Hof und Düngenheimer Mühle.
Die Ortschronik erzählt außerdem eine Geschichte, die man in einem Eifeldorf nicht erwartet. Nach den Missernten von 1816 und 1817 kehrten zwischen 1828 und 1888 nachweislich 53 Familien dem Ort den Rücken, mehr als die Hälfte der Dorfbewohner. Fünfzehn Familien von hier und aus Urmersbach wurden bei Detroit sesshaft, im späteren Dearborn, und lebten dort als Farmer in unmittelbarer Nachbarschaft der Familie Ford.
Elf von achtzehn Denkmälern sind Kreuze
Die Denkmalliste des Landes führt für den Ort 18 Einzeldenkmäler, Stand 21. September 2023, und das Muster ist ungewöhnlich deutlich: elf davon sind Wegekreuze, Nischenkreuze oder eine Kreuzigungsgruppe, dazu kommen zwei Wegekapellen. Die Denkmalliste beschreibt also weniger einen Ortskern als die Feldwege ringsum.
Das älteste datierte Stück steht nicht mehr dort, wo es Jahrzehnte stand: Zwei Basalt-Wegesteine von 1613 mit der beidseitig gleichen Inschrift „1613 – RUTHEN / DÜNG – HEIM“ standen bis 2025 am kleinen Dorfplatz und heute an der Gemeindehalle, Ecke Urmersbacher Straße und Rammelberg. Das aufwendigste Einzelstück liegt östlich des Ortes im Kaifenheimer Weg: ein Nischenkreuz von 1639 mit der Inschrift „CRISTO GRATVLEMER PECCATORES“, zwei verschieden geformten Kreuzen und einem eingemeißelten Hauszeichen. Allein an der Urmersbacher Straße stehen drei Kreuze von 1686, 1694 und 1725.
Die Pfarrkirche St. Simeon in der Kirchstraße trägt drei Bauphasen in einem Gebäude: Saalbau bezeichnet 1738, klassizistischer Westturm von 1846, Querhaus und Chor aus Bruchstein von 1921/22. Draußen liegen 16 Kreuzfragmente unter anderem von 1594, 1619, 1631 und 1635 sowie fünf Grabplatten des 17. und 18. Jahrhunderts. In den Saalbau von 1738 passten nur 604 Menschen; 1846 bis 1848 wurde er um die Hälfte nach Westen verlängert, weil die Gemeinde auf 1.000 Seelen gewachsen war. 1921 fielen Sakristei und Chor, am 20. Juni 1925 wurde der erweiterte Bau konsekriert. Kirchenpatron ist seit 1680 der heilige Simeon, davor Antonius Abbas.
Neun Gruben, 3,70 Mark am Tag und ein Fußweg von zwei Stunden
Die Statistik des Bergamtsbezirks Koblenz zählte 1861 zwischen Ulmen und Andernach 295 Dachschiefergruben, neun davon in der Düngenheimer Gemarkung. Der größte Betrieb war die Grube Antonius unweit des Ortes: 1895 mit 49 Beschäftigten, 1912 mit 75, von denen fünf jünger als 16 Jahre waren. Ein Schieferbrecher verdiente in jenem Jahr 3,70 Mark am Tag, ein Spalter 3,50 Mark, ein jugendlicher Arbeiter 1,50 Mark. Die größte Fördermenge fiel 1914 an: 15.143 Meter oder 2.160 Tonnen im Wert von 88.650 Mark. 1928 wurde Antonius endgültig stillgelegt.
Danach führte der Weg zur Grube Bausberg im Elztal, und zwar zu Fuß: hin und zurück knapp zwei Stunden über einen steilen, im Winter glatten Pfad, das Stanech Pettje. Unter Tage sind es das ganze Jahr über etwa 15 Grad bei 95 Prozent Luftfeuchtigkeit, und bei sechs Arbeitstagen sah die Belegschaft die Sonne nur sonntags. Nach 1957 arbeiteten dort 140 Männer, überwiegend von hier und aus Kehrig, und förderten 550 bis 600 Tonnen Rohschiefer im Monat. Im März 1969 stellte der Betreiber die Produktion ein.
Zu sehen ist von alledem wenig. Die Grubeneingänge sind fest verschlossen und dienen Fledermäusen als Quartier; erkennbar bleiben die großen Schieferschuttplätze. Begehbar wird das Thema erst im benachbarten Leienkaul, wo ein nachgebautes Spalthaus und zwei Wanderwege im Kaulenbachtal auf dasselbe Gewerbe zurückgehen.
Die Halle: 150 Euro am Tag, aber nicht für jeden Anlass
Die Mehrzweckhalle wird seit dem 1. Oktober 2025 nach einer neuen Benutzungsordnung vergeben, die die Fassung von 1985 ablöst. Der Satz, der die meisten Anfragen erledigt, steht gleich in Paragraf 1: Für Polterabende, Abiturfeiern und Feiern anlässlich von 18. Geburtstagen wird die Halle nicht zur Verfügung gestellt. Beantragt wird über ein Online-Buchungssystem, Vereine und Gruppen müssen eine verantwortliche Person und den Zweck benennen, und genutzt werden darf die Halle nur dafür. Gereinigt wird vom Nutzer selbst, sonst übernimmt eine Firma auf seine Rechnung.
Bei den Gebühren stehen auf der Gemeindeseite zwei Fassungen nebeneinander. Die Satzung vom 25. Januar 2010 verlangt für eine öffentliche Festveranstaltung mit Ausschank 100 Euro für den ersten und den zweiten Tag, 75 Euro für den dritten und 50 für den vierten. Die als „Änderung der Gebührensatzung von 2011“ verlinkte Fassung nennt 150, 100 und 75 Euro, dazu 125 Euro für Hochzeit oder Kommunion in der ganzen Halle mit Sektbar und pauschal 25 Euro für die Toilettennutzung bei Außenveranstaltungen bis zu einer Woche. Auswärtige zahlen danach 400 Euro je Tag für die ersten beiden Tage, Kaution in Höhe der Miete. Heizung, Strom, Wasser und Kanal kommen in beiden Fassungen nach Verbrauch obendrauf.
Das Papier der Änderung trägt an Datum und Unterschrift allerdings Leerstellen. Vor einer Zusage lohnt deshalb die Rückfrage bei der Ortsgemeinde, welche Zahl gilt, denn zwischen beiden Fassungen liegen bei einem zweitägigen Fest 100 Euro. Gebührenfrei bleiben in jedem Fall die Alten- und Seniorentage, die Übungsstunden der örtlichen Vereine und der Sitzungsraum für Vorstandssitzungen, Mitgliederversammlungen und kommunale Gremien.
Sanieren im Ortskern: erhöhte Abschreibung von 9 Prozent
Der Ortskern ist förmlich festgelegtes Sanierungsgebiet, und die Ortsgemeinde hat dazu am 16. Januar 2020 eine eigene Richtlinie erlassen. Für Gebäude in einem solchen Gebiet erlaubt Paragraf 7h Einkommensteuergesetz, Herstellungskosten für Modernisierung und Instandsetzung erhöht abzusetzen: im Jahr der Herstellung und in den folgenden sieben Jahren jeweils bis zu 9 Prozent, danach vier Jahre lang bis zu 7 Prozent. Bei Eigennutzung greift Paragraf 10f mit bis zu 9 Prozent als Sonderausgaben über zehn Jahre.
Entscheidend ist die Reihenfolge. Die Maßnahme muss vor Baubeginn zwischen Eigentümer und Ortsgemeinde vereinbart werden; steuerlich zählt allein der Zeitpunkt, zu dem diese Modernisierungsvereinbarung rechtsverbindlich geschlossen wurde. Eine Zustimmung zum vorzeitigen Baubeginn hilft dabei ausdrücklich nicht. Bei der Verbandsgemeinde liegen dazu eine Gestaltungsfibel, die Analysepläne und der Rahmenplan; Auskunft gibt die Verwaltung unter 02653 9996-315.
Vierzehn Vereine, aber kein Termin im Netz
Am Ortsleben mangelt es nicht. Die Ortsgemeinde zählt 14 Vereine, vom Angelverein über den Möhnenverein bis zum Spielmannszug. Der Junggesellenverein besteht seit 1874 und trägt die Kirmes: Am Kirmesmontag holt er Fahne, Präsident und Präses zum gemeinsamen Kirchgang ab, danach folgen die Gefallenenehrung am Kriegerdenkmal und der Frühschoppen mit der Versteigerung des Maibaums vom 1. Mai. Der Turn- und Sportverein geht auf einen Sportplatz von 1913 im Walddistrikt Wetthau zurück; heute spielt die SG Düngenheim/Urmersbach/Masburg in der Kreisliga A.
Nur nachschlagen lässt sich davon nichts. Der Veranstaltungskalender der Gemeindeseite endet mit einem Eintrag vom 2. Februar 2020, die Seite „Aktuelles“ ist leer, und die eigene Adresse des Junggesellenvereins war beim Abruf am 21. August 2026 nicht erreichbar. Nach dem Termin der nächsten Kirmes muss man also fragen: [email protected] oder die Verbandsgemeindeverwaltung Am Römerturm 2 in Kaisersesch. Die Nachbarorte machen das nicht alle so: In Masburg, mit dem der Ort seine Fußball-Spielgemeinschaft teilt, stehen die Vereinstermine wöchentlich im Netz.
Was den Ort trägt, ist ohnehin weniger der Kalender als die Arbeit. Das Bildungs- und Pflegeheim St. Martin betreut rund 220 Kinder und Erwachsene ganztags und beschäftigt etwa 450 Menschen; dazu gehören eine Sonderschule, die zweizügige Grundschule St. Martin mit acht Klassen und das Zeno-Bad, ein Hallenbad, das auch der Öffentlichkeit offensteht. Dazu kommen die dreigruppige Kita „Arche Noah“ und seit 1996 das Senioren Domizil Eifel, spezialisiert auf künstliche Beatmung.
Quellen: Ortsgemeinde Düngenheim (Die Gemeinde, Geschichte in fünf Teilen, Veranstaltungskalender, Aktuelles, Junggesellenverein, Turn- und Sportverein, Satzungen zur Gemeindehalle mit der Gebührensatzung vom 25.01.2010, deren Änderung von 2011 und der Benutzungsordnung vom 21.08.2025), Verbandsgemeinde Kaisersesch (Ortsgemeinde und Sanierungsgebiet Düngenheim mit der Modernisierungsrichtlinie vom 16.01.2020) sowie Wikipedia zu Düngenheim, zur Liste der Kulturdenkmäler und zur Verbandsgemeinde Kaisersesch. Abgerufen am 21. August 2026.
Wann ist Kirmes in Düngenheim?
Ein Datum steht in keiner amtlichen Quelle: Der Veranstaltungskalender der Ortsgemeinde endet mit einem Eintrag vom 2. Februar 2020, die Seite „Aktuelles“ ist leer, und der Auftritt des Junggesellenvereins war am 21. August 2026 nicht erreichbar. Auskunft gibt die Ortsgemeinde unter [email protected]. Der Ablauf ist überliefert: Kirchgang am Kirmesmontag, Gefallenenehrung am Kriegerdenkmal und Frühschoppen mit der Versteigerung des Maibaums.
Was kostet die Gemeindehalle in Düngenheim?
Die Gebührensatzung vom 25. Januar 2010 nennt für eine öffentliche Festveranstaltung mit Ausschank 100 Euro für den ersten und zweiten Tag, die als Änderung von 2011 verlinkte Fassung 150 Euro. Heizung, Strom, Wasser und Kanal kommen nach Verbrauch hinzu. Weil das Änderungspapier an Datum und Unterschrift Leerstellen trägt, gehört die geltende Zahl vor der Buchung erfragt. Für Polterabende, Abiturfeiern und Feiern zum 18. Geburtstag wird die Halle seit dem 1. Oktober 2025 gar nicht vergeben.
Was ist vom Schieferbergbau in Düngenheim noch zu sehen?
Die Grubeneingänge sind verschlossen und dienen Fledermäusen als Quartier; im Gelände erkennbar bleiben die großen Schieferschuttplätze. Die Grube Antonius wurde 1928 stillgelegt, die benachbarte Grube Bausberg im Elztal im März 1969. Begehbar ist das Thema im benachbarten Leienkaul.
Wie viele Einwohner hat Düngenheim?
1.294 zum 31. Dezember 2025 nach dem Statistischen Landesamt Rheinland-Pfalz, verteilt auf 9,31 Quadratkilometer. Damit ist es die größte Ortsgemeinde der Verbandsgemeinde Kaisersesch, hinter der Stadt Kaisersesch mit 3.268 Einwohnern aber die zweitgrößte Gemeinde. Die Angaben auf der Gemeinde- und der Verbandsgemeindeseite (1.420 beziehungsweise rund 1.400) sind älter.
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