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Leienkaul in der Eifel: Schieferhalden, Wege und Geschichte

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Graue Schieferhalden über einem Wiesengrund, davor Infotafel, Bänke, Reste einer Schiefermauer und ein blauer Förderwagen
Foto: Esper Markus, CC BY 3.0 (skaliert), via Wikimedia Commons

Kurzzusammenfassung

  • Leienkaul ist eine ehemalige Bergarbeitersiedlung über dem Kaulenbachtal und erst seit dem 12. Juni 2004 eine eigenständige Ortsgemeinde; vorher war der Ort ein Ortsteil von Laubach.
  • Im Kaulenbachtal wurde von 1695 bis 1959 Dachschiefer gefördert. Seit 1988 ist das Gelände Naturschutzgebiet, seit 1993 denkmalgeschützte Zone.
  • Zwei Wege erschließen das Tal: der 4 Kilometer lange Digi-Pfad mit elf App-Stationen und der 14,2 Kilometer lange Rundwanderweg Schieferregion Kaulenbachtal.
  • Am Ortsrand verläuft der Weg durch das Tal der Wilden Endert. Er ist seit dem 17. August 2026 wegen Brandschäden gesperrt, nach Angabe des Touristik-Büros ab der Napoleonsbrücke.

Der Schieferbergbau des Landkreises Cochem-Zell liegt nicht an der Mosel, sondern 500 Meter über dem Meer auf der Osteifel-Hochfläche. Leienkaul liegt knapp fünf Kilometer von Kaisersesch entfernt, zwischen dem Sesterbach im Süden, dem Tal der Wilden Endert im Südosten, dem Kaulenbachtal im Westen und der Wolfsburg im Norden. Der Name sagt, worum es hier ging: „Lei“ steht im vorgermanischen Wortschatz für Stein oder Fels, „Kaul“ in der Mundart für Grube. Die Flurbezeichnung „Auf den Leyenkaeulen“ wurde zum Namen der Siedlung, die Bergleute Ende des 18. Jahrhunderts gründeten. Der erste von ihnen baute sein Haus in der Nähe der Grube „Colonia“ am Kaulenbach.

Der Ort ist klein geblieben. Das Statistische Landesamt zählte zum 31. Dezember 2025 368 Einwohner auf 3,25 Quadratkilometern; die Ortsgemeinde selbst führt in ihrem Datenblatt den Stand vom 31. Dezember 2019 mit 353 Einwohnern, 138 Wohngebäuden und 151 Wohnungen. 37,4 Prozent der Fläche sind Wald, 42,1 Prozent Landwirtschaft. Die Ortsgemeinde beschreibt sich selbst als eines der längsten Straßendörfer der Eifel.

Das Kaulenbachtal ist eine Industriebrache unter Naturschutz

Zwischen Müllenbach, Laubach und Leienkaul zieht sich das Kaulenbachtal, eines der bekanntesten Schiefer-Abbaugebiete im linksrheinischen Schiefergebirge. Von 1695 bis 1959 kam hier Dachschiefer aus dem Berg. Das Ende kam nicht durch fehlende Nachfrage, sondern in einer einzigen Nacht: Vom 8. auf den 9. Januar 1959 fluteten Schneeschmelze und Wassereinbrüche die drei Grubensohlen der letzten aktiven Grube „Maria Schacht“ und vernichteten Werkzeuge, Maschinen und Sprengmittel. Auch die eingesetzten Pumpen halfen nicht mehr. Der Betrieb wurde eingestellt.

Was blieb, sind die Halden. Auf ihnen hat sich etwas eingerichtet, das der Bergbau nicht geplant hatte: In den mächtigen Abraumhalden leben wärmeliebende Mauereidechsen, in den Stollen überwintern Fledermäuse. 1988 wurde das Tal Naturschutzgebiet, 1993 kam die denkmalgeschützte Zone „Bereich Schieferabbau und -verarbeitung Kaulenbachtal“ dazu. Seitdem sind Gebäudereste und Trockenmauern gesichert, Stolleneingänge geöffnet und Halden frei geschnitten worden. Zwischen den Ruinen stehen Info-Tafeln mit Grundrissen von Gruben und alten Fotos, dazu Förderwagen, die in der Bergmannssprache Hunte heißen. Das auffälligste Stück ist ein Nachbau: das 2016 eingeweihte Spalthaus.

Der Zusammenhang zur Mosel ist älter als jede Wanderkarte. Der Schiefer musste mit Pferdefuhrwerken nach Klotten gebracht und dort verschifft werden. Die Transportkosten waren so hoch, dass die Gewinne der Grubenbesitzer gering blieben und Kleinbetriebe von Händlern aus Klotten und Cochem aufgekauft wurden. Erst 1898 wurde die Arbeit leichter, drei Jahre nach der Eröffnung der Eifeleisenbahn von Mayen nach Gerolstein: „Maria Schacht“ und „Colonia“ förderten den Schiefer nun mit Maschinenkraft aus den Gruben, und „Maria Schacht“ baute 1907/08 einen eigenen Schienenweg zum Eisenbahngleis am Masburger Wald, hinter der Wolfsburg.

Vier Kilometer mit dem Telefon oder 14,2 Kilometer außen herum

Für das Tal gibt es zwei Wege, und sie unterscheiden sich deutlich. Der Digi-Pfad im Kaulenbachtal ist die kurze Variante: 4,0 Kilometer, veranschlagte zwei Stunden, 140 Höhenmeter im Auf- und Abstieg, als Rundtour ausgewiesen und vom Touristik-Büro als mittelschwer eingestuft. Start und Ziel liegen in Leienkaul. An elf Stationen liefert die kostenlose App „Actionbound“ historische Fotos, Audiobeiträge, Quizfragen und Schätzaufgaben; nach dem Herunterladen der Inhalte funktioniert der Pfad auch ohne Netz. Es gibt zwei Einstiege, einen in Leienkaul und einen in Müllenbach/Laubach, beide unter dem Suchwort „Kaulenbachtal“ in der App zu finden. Zwei Stunden für 4 Kilometer sind großzügig gerechnet, und das ist kein Fehler: An elf Stationen stehen zu bleiben dauert länger als die Strecke.

Der Rundwanderweg Schieferregion Kaulenbachtal ist mit 14,2 Kilometern die Tagesvariante und lässt sich in jedem der drei Orte beginnen. Er nimmt das Kloster und die Wallfahrtskirche Maria Martental mit, deren Gründung auf das Jahr 1140 zurückgeht. Beide gehören zur Ortsgemeinde: Martentalerhof, Sesterbach, Weierhof und das Kloster Maria Martental sind Wohnplätze von Leienkaul.

Für eine Begehung mit ortskundiger Begleitung bietet der Verein zur Erhaltung der Schieferbergbaugeschichte mit Sitz am Holzweg in Müllenbach geführte Wanderungen durch das Tal an. Die Anmeldung läuft über Rolf Stoll, Telefon 02653 9145651 oder 01573 9343224.

Die Wilde Endert verläuft am Ortsrand, und der Weg ist gesperrt

Der zweite große Weg führt nicht rund, sondern hinunter zur Mosel. Der Wanderweg „Im Tal der Wilden Endert“ verläuft über 21,4 Kilometer von Ulmen nach Cochem, mit 123 Höhenmetern im Aufstieg und 459 im Abstieg; das Touristik-Büro veranschlagt 4:48 Stunden und stuft die Tour als mittelschwer ein. Das Wandermagazin kürte sie in der Kategorie Touren zu Deutschlands schönstem Wanderweg. Über das Jahr gehen die beiden Quellen auseinander: Das Touristik-Büro nennt 2019, die Ortsgemeinde 2020.

Der Endertbach bildet im Süden die Gemeindegrenze, und an ihm liegt der Wasserfall „Die Rausch“, der 7 Meter tief in einen Talkessel stürzt. Begehbar ist die Strecke derzeit nicht durchgehend: Die Verbandsgemeinde Kaisersesch hat den Weg am 17. August 2026 wegen Waldbrandschäden gesperrt, das Touristik-Büro nennt die Napoleonsbrücke als Beginn des gesperrten Abschnitts. Näheres steht in der Meldung zur Sperrung. Dazu kommen zwei Dauerhinweise, die auch danach zählen: Radfahrer sollen den Weg aus Sicherheitsgründen nicht benutzen, und die felsigen Pfade sind bei Nässe rutschig.

Was im Straßendorf fehlt

Ein Punkt steht in keiner Tourenbeschreibung und entscheidet trotzdem den Tag: Die Ortsgemeinde führt unter Gastronomie genau einen Eintrag, die Martentaler Gastro am Kloster Maria Martental. Das Kloster gehört zur Gemeinde, liegt aber als eigener Wohnplatz außerhalb des Straßendorfs. Im Dorf selbst listet die Seite kein Gasthaus. Unter Unterkünften nennt dieselbe Seite das Hotel Eifelperle in Laubach, die Kringelwies in Masburg sowie das Waldhotel Kurfürst und das Yumi Hotel in Kaisersesch. Eine Einkehr auf dem Digi-Pfad plant man also außerhalb des Dorfes ein oder nimmt sie mit.

Geparkt wird kostenfrei am Startpunkt. Für den Digi-Pfad nennt das Touristik-Büro drei Möglichkeiten: das Gemeindehaus in der Grubenstraße in Leienkaul, das Landhotel Eifelperle in der Eifelstraße 34 in Laubach und die Schieferlandhalle am Holzweg in Müllenbach. Einen Busfahrplan für die Anreise gibt es auf Anfrage beim Touristik-Büro Schieferland Kaisersesch, Am Römerturm 2 in Kaisersesch, Telefon 02653 9996-502. Mit dem Auto sind es knapp drei Kilometer bis zur A 48.

Das Wappen der Gemeinde fasst die Ortsgeschichte in drei Zeichen: ein Gefäß im Steinrahmen für ein Römergrab, das in den 1990er Jahren gefunden wurde, eine Grubenlampe im Schieferstolleneingang und darunter die Wallfahrtskirche Maria Martental über dem blauen Sesterbach.

In der Nachbarschaft liegen Masburg mit dem 11,4 Kilometer langen Steinbach Rundweg und Kaifenheim, dessen Wege ebenfalls über das Tourismusportal des Schieferlands erschlossen sind. Touren, die unten an der Mosel enden, stehen unter Wandern in Cochem.

Quellen: Ortsgemeinde Leienkaul (Portrait, Geschichte, Kaulenbachtal, Tourismus), Touristik-Büro Schieferland Kaisersesch (Digi-Pfad im Kaulenbachtal, Im Tal der Wilden Endert, Kaulenbachtal) sowie Wikipedia zu Leienkaul. Einwohnerzahl nach dem Statistischen Landesamt Rheinland-Pfalz, Stand 31. Dezember 2025. Abgerufen am 18. August 2026; die Angaben zur Sperrung der Wilden Endert nach der Pressemitteilung der Verbandsgemeinde Kaisersesch vom 17. August 2026 und der Tourenseite des Touristik-Büros, abgerufen am 22. August 2026.

Wie lang ist der Digi-Pfad im Kaulenbachtal?

4,0 Kilometer mit 140 Höhenmetern im Auf- und Abstieg. Das Touristik-Büro Schieferland Kaisersesch veranschlagt zwei Stunden und stuft die Rundtour als mittelschwer ein. Start und Ziel liegen in Leienkaul, die elf Stationen laufen über die App Actionbound.

Kann man das Kaulenbachtal mit Führung erleben?

Ja. Der Verein zur Erhaltung der Schieferbergbaugeschichte in Müllenbach bietet geführte Wanderungen durch das Tal an. Die Anmeldung läuft über Rolf Stoll, Telefon 02653 9145651 oder 01573 9343224.

Wann endete der Schieferabbau im Kaulenbachtal?

In der Nacht vom 8. auf den 9. Januar 1959. Schneeschmelze und Wassereinbrüche fluteten die drei Grubensohlen der Grube Maria Schacht; der Betrieb wurde danach eingestellt. Gefördert worden war dort seit 1695.

Gibt es in Leienkaul ein Restaurant?

Im Straßendorf selbst führt die Ortsgemeinde keines. Ihr einziger Gastronomie-Eintrag ist die Martentaler Gastro am Kloster Maria Martental, das als eigener Wohnplatz zur Gemeinde gehört.