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Sankt Aldegund an der Mosel: Ortskern, Weinlagen und Wege

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Die neugotische Pfarrkirche St. Bartholomäus in Sankt Aldegund vor bewaldeten Hängen und Weinbergen
Foto: Edgar El, CC BY 3.0 (skaliert), via Wikimedia Commons

Kurzzusammenfassung

  • Die Winzer des Orts bewirtschaften rund 35 Hektar in drei Lagen: Klosterkammer, Himmelreich und Palmberg-Terrassen. Acht Weingüter und vier Gastronomiebetriebe stehen auf der Gastgeberliste der Ortsgemeinde.
  • Zum Raulwing-Platz oberhalb des Dorfes führen zwei sehr verschiedene Wege: rund drei Kilometer leicht ansteigend über die Bergstraße, oder 960 Meter mit 169 Höhenmetern über den Familienweg an der Alten Kirche.

Sankt Aldegund liegt nach Angabe der Ortsgemeinde ungefähr in der Mitte zwischen Trier und Koblenz. Die Staustufe am Ort staut die Mosel so, dass sie sich nach derselben Darstellung fast wie ein kleiner See durch das Tal zieht. Was den Ort von seinen Nachbarn unterscheidet, steht allerdings nicht am Wasser, sondern am Hang: ein Buchsbaumwald im Steilhang, ein Walderholungsplatz mit Blick ins Tal und ein keltisch-römischer Kultplatz.

Zwei Kirchen, und für eine braucht man den Schlüssel

Die Pfarrkirche St. Bartholomäus wurde 1870 bis 1872 gebaut, neugotisch, mit einem 51 Meter hohen Turm. Ihre Ausmalung stammt von 1913 und wurde 2005 restauriert; der barocke Seitenaltar ist von 1750.

Die ältere der beiden ist die Alte Kirche. Sie ist romanisch, 1144 erstmals urkundlich erwähnt und trägt gotische wie barocke Stilelemente, dazu spätgotische Wandmalereien, einen Altar von 1601 und ein Ecce Homo von 1522. Bis 1872 war sie Pfarrkirche und über Jahrhunderte Wallfahrtsziel der Bauern der Umgebung, die zum Viehheiligen Bartholomäus kamen.

Für den Innenraum braucht man allerdings den Schlüssel. Er liegt nach Angabe der Ortsgemeinde bei einer Familie auf der Teusch, die sie auf ihrer Seite namentlich nennt. Für den Ortskern selbst braucht es ihn nicht. An der Mehrzahl der historischen Bauten hängen braune Keramiktafeln mit Angaben zum jeweiligen Gebäude, die Fachwerk- und Bürgerhäuser stammen aus der Zeit ab dem 15. Jahrhundert, und dort steht auch, was die Ortsgemeinde eines der ältesten Schulgebäude nennt: eine Zwergschule von 1523 mit einem einzigen Klassenraum, der zugleich das Wohnzimmer des Dorflehrers war.

Bugramm, oder was vom Treideln übrig ist

Urkundlich taucht der Ort 1097 als „Sanctam Aldegundam“ auf. Älter sind die Funde. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts legten Ausgräber am Ausgang des Walmeder-Tals südlich des Dorfes die Fundamente einer großen römischen Villa Rustica frei und deckten sie nach der Dokumentation wieder mit Erdreich zu. Im April 1953 stieß man bei Weinbergsarbeiten auf eine große Steinplatte mit frühchristlichen Symbolen. Darunter lag ein unversehrtes spätrömisches Frauengrab mit Goldschmuck, Tonwaren und einer tiefblauen Glasschale in Form eines Schiffes, etwa 22 Zentimeter lang, 8 breit und 9 hoch. Die Beigaben stehen heute im Landesmuseum Koblenz, Haus der Archäologie in der Festung Ehrenbreitstein. Die Quader des Grabes selbst blieben im Ort: Sie sind mit einer Informationstafel am Platz in der Klosterkammerstraße aufgestellt, am Dorfausgang Richtung Alf.

Der zweite historische Faden hängt am Fluss. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Mosel die einzige Verkehrsverbindung zwischen Koblenz und Trier, und die Schiffe wurden von Pferden stromaufwärts gezogen, also getreidelt. Eine durchgehende Straße am Ufer entstand erst um 1850, die Moselbahn 1879, und damit endete das Treideln. Der Ort hatte am Dorfeingang Richtung Bremm einen kleinen Hafen und war schon im späten Mittelalter als Weinhandelsplatz bekannt. Geblieben ist ein Spottname: Bugramm für den Ort, Bugrammer für seine Bewohner. Ein Relief am Bugramm-Platz in der südlichen Dorfmitte erklärt ihn.

35 Hektar in drei Lagen

Die Winzer bewirtschaften rund 35 Hektar. Die Klosterkammer liegt südlich der Alten Kirche und heißt nach einer Klosteranlage, die urkundlich nicht nachgewiesen ist. Das Himmelreich ist die Steillage nördlich des Dorfes gegenüber der Staustufe, fast durchweg Schieferhang. Die Palmberg-Terrassen liegen in Südlage gegenüber der Alten Kirche, ebenfalls Schiefer, ebenfalls steil.

Die Ortsgemeinde führt den Riesling an erster Stelle, dazu kommen Rivaner, Weißer und Grauer Burgunder, bei den Roten Dornfelder und Spätburgunder, in kleineren Mengen Elbling, Kerner, Bacchus und Regent. Acht Betriebe stehen in der Weingutliste der Ortsgemeinde, einer davon betreibt nach eigener Angabe nachweislich seit dem 15. Jahrhundert Weinbau. Für Weinproben schreibt die Gemeinde, die Keller seien immer offen, eine Anmeldung und Terminabsprache sei aber von Vorteil. Anrufen ist also der Normalfall, nicht die Ausnahme.

Zum Essen führt dieselbe Liste vier Adressen: zwei Gasthäuser mit bürgerlicher Küche und eigenem Wein, eine Pizzeria mit Abhol- und Lieferdienst und ein Café mit Garten und Pavillon am Ufer. Alle vier haben ihre Anschrift in der Straße Am Moselstausee. Der alte Ortskern besteht nach Beschreibung der Ortsgemeinde aus engen, verwinkelten Gassen; gegessen wird nicht dort, sondern unten am Wasser.

Zwei Wege auf den Raulwing-Platz

Der Raulwing-Platz ist ein Walderholungsplatz mit Freizeiteinrichtungen oberhalb des Dorfes, mit Blick ins Moseltal und in den Hunsrück. Der beschilderte Weg dorthin führt über die Bergstraße und einen Serpentinenweg, rund drei Kilometer, leicht ansteigend.

Das Kehr-Heiligenhäuschen steht nördlich des Ortes auf der Höhe gegenüber der Staustufe, dort, wo im späten Mittelalter die Siedlung Heiligenhausen lag und davor ein keltisch-römischer Kultplatz. Erkennbar ist es am großen Kreuz, das abends beleuchtet wird. Der Aufstieg beginnt an der Kirche, geht rechts über die Teusch steil bergauf und dauert etwa 20 Minuten.

Dazwischen liegt der Buchsbaum-Höhenweg. Die Franzosen brachten den Buchs um 1800 aus dem Mittelmeerraum an die Mosel; im örtlichen Volksmund heißt er Palme, und so heißt auch die Weinlage darunter: St. Aldegunder Palmberg-Terrassen. An deren Weinberge schließt sich am Steilhang ein Buchsbaumwald an, den es nach Darstellung der Ortsgemeinde an der ganzen Mosel sonst nicht gibt. Ein Pfad erschließt ihn, begehbar mit gutem Schuhwerk. Erreichbar ist er vom Raulwing-Platz oder über das Kehr-Heiligenhäuschen. Wird daraus die volle Runde Dorf, Raulwing-Platz, Buchsbaum-Höhenweg, Kehr-Heiligenhäuschen, sind es rund sechs Kilometer und etwa 200 Höhenmeter.

Durch den historischen Ortskern selbst läuft der zertifizierte Premium-Kulturweg „Felsen.Fässer.Fachwerk“, mit Tafeln im Ort und entlang der Strecke.

Der Planetenweg: 1,5 Kilometer bis Neptun

Am Moselufer verläuft seit Mai 2019 ein Planetenweg; verantwortet wird die Seite dazu vom Heimat- und Verkehrsverein. Für die Sonne und jeden der acht Planeten steht eine Tafel, und zwar im maßstäblichen Abstand. Von der Sonne bis zum Neptun sind es 1,5 Kilometer, zu gehen in etwa 20 Minuten. Der Maßstab: ein Kilometer entspricht drei Milliarden Kilometern. Der Verein rechnet vor, was das bedeutet. Die Raumsonde Voyager 2 brauchte für dieselbe Strecke zwölf Jahre, das Sonnenlicht braucht 4 Stunden, 10 Minuten und 5 Sekunden. Gefördert wurde der Weg von der Europäischen Union und dem Land Rheinland-Pfalz im Programm EULE sowie von der Sparkasse Mittelmosel Eifel Hunsrück.

Für einen Nachmittag mit Kindern hat er einen Vorteil, den keiner der anderen Wege hat: Er verläuft am Ufer und damit flach.

Sieben Stationen für die Wingertsfee

Der zweite Familienweg tut genau das Gegenteil. „Die Suche nach den versteinerten Feen und Kobolden“ ist ein interaktiver Streckenweg mit sieben Stationen, von der Palmenflüsterin über die Sternensucherin und den Weinhexer bis zur Wilden Wurzel. Start ist die Alte Kirche, Ziel der Raulwingplatz. Die Zeller Land Tourismus GmbH führt ihn mit 0,96 Kilometern, 35 Minuten und 169 Höhenmetern, tiefster Punkt 116 Meter, höchster 285, Einstufung mittel.

960 Meter und 169 Höhenmeter: Das ist der steile Weg auf denselben Platz, für den die Ortsgemeinde drei leicht ansteigende Kilometer beschreibt. Die Betreiberseite des Wegs ist da deutlich. Kinderwagen sind wegen der Wegbeschaffenheit nicht möglich, Hunde dagegen erlaubt, und unterwegs liegt ein umgestürzter Baum, über den geklettert werden muss. Eine Sitzgelegenheit gibt es einmal auf der Strecke und eine am Ziel. Ein Smartphone ist hilfreich, weil die Stationen online weitererzählt werden.

Wichtiger für die Planung ist der Rückweg. Es ist kein Rundweg. Vom Raulwing-Platz zurück zum Auto führen mehrere Fußwege von einem bis drei Kilometern. Geparkt wird am Festplatz unten an der Mosel, dort hält auch der Bus. Mit Kleinkind im Wagen bleibt nur der Planetenweg am Ufer. Der Feenweg lohnt ab dem Alter, in dem ein Kind 169 Höhenmeter selbst geht und über einen liegenden Baumstamm klettern will.

Anreise, Stellplatz und Termine

Als Zielbahnhof nennt die Ortsgemeinde Bullay, für Flugverbindungen verweist sie auf den Flughafen Hahn. Der Wohnmobilstellplatz liegt unmittelbar am Moselufer und kostet 12,00 Euro pro Übernachtung einschließlich Ver- und Entsorgung, Strom 3,00 Euro am Tag. Von 40 Plätzen sind 36 mit Stromanschluss versorgt. Reserviert wird nicht, darum bittet die Gemeinde in Großbuchstaben. Wie sich der Platz gegen die anderen im Kreis schlägt, steht im Stellplatz-Vergleich.

Beim Terminkalender wird es dünn. Für 2026 führt er vier Einträge, und alle liegen hinter uns: das Aufstellen des Maibaums im April, ein Boule-Nachmittag des Heimat- und Verkehrsvereins am 9. Mai ab 14 Uhr am Boule-Platz am Moselufer gegenüber der Kirche, das Schaufahren des Modellbau-Clubs am 13. und 14. Juni und das Wein- und Heimatfest vom 24. bis 26. Juli, beides auf dem Festplatz am Moselufer. Für August bis Dezember 2026 und für Januar bis März 2027 steht in jeder Monatsspalte derselbe Satz: „Bisher liegen noch keine Termine vor.“ Das Weinfest des Jahres ist also gelaufen. Beim Maibaum widersprechen sich die eigenen Seiten übrigens um einen Tag, die Startseite nennt den 25. April um 13 Uhr, der Kalender den 26.

Auskunft gibt die Gemeindeverwaltung in der Bergstraße 7, 56858 St. Aldegund, Telefon 06542 2532.

Alle Angaben stammen von den Seiten der Ortsgemeinde St. Aldegund einschließlich ihrer Gastgeber- und Terminlisten, vom Planetenweg des Heimat- und Verkehrsvereins, vom Portal des Kulturwegs Felsen.Fässer.Fachwerk, von der Wegseite feen-und-kobolde.de und von der Zeller Land Tourismus GmbH, Stand August 2026.

Findet 2026 noch ein Weinfest in Sankt Aldegund statt?

Nach dem Veranstaltungskalender der Ortsgemeinde nicht. Das Wein- und Heimatfest lief vom 24. bis 26. Juli 2026 auf dem Festplatz am Moselufer. Für August bis Dezember 2026 und für Januar bis März 2027 trägt der Kalender in jedem Monat den Hinweis, dass noch keine Termine vorliegen. Stand August 2026.

Wie kommt man ohne Auto nach Sankt Aldegund?

Die Ortsgemeinde nennt als Zielbahnhof Bullay. Im Ort selbst hält der Bus am Festplatz unten an der Mosel, dort liegt auch der Parkplatz für den Familienwanderweg.

Was kostet der Wohnmobilstellplatz am Moselufer?

12,00 Euro pro Übernachtung einschließlich Ent- und Versorgung, dazu 3,00 Euro am Tag für Strom. Der Platz hat 40 Stellplätze, davon 36 mit Stromanschluss. Eine Reservierung nimmt die Gemeinde nicht an. Angaben der Ortsgemeinde, Stand August 2026.

Ist der Feen-und-Kobolde-Weg für kleine Kinder geeignet?

Zu Fuß ja, mit Kinderwagen nicht: Die Betreiberseite schließt ihn wegen der Wegbeschaffenheit aus. Auf knapp einem Kilometer sind 169 Höhenmeter zu überwinden, die Zeller Land Tourismus GmbH stuft die Strecke als mittel ein, und unterwegs liegt ein umgestürzter Baum, über den geklettert wird. Hunde sind erlaubt. Zurück zum Festplatz führen Fußwege von einem bis drei Kilometern.