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Senheim an der Mosel: gerader Grundriss, Vogteiturm, 15 Weinbetriebe

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Blick aus einem herbstlichen Weinberg über die Dächer von Senheim mit der Pfarrkirche, dahinter Steillagen und Wald
Foto: RomkeHoekstra, CC BY-SA 4.0 (skaliert), via Wikimedia Commons

Kurzzusammenfassung

  • Senheim brannte am 13. August 1839 fast vollständig ab und wurde danach in Quadraten mit breiten, geraden Straßen wieder aufgebaut. Das enge Moseldorf-Bild steht deshalb im Ortsteil Senhals am anderen Ufer.
  • Der Vogteiturm ist der einzige Wehrturm, den die französischen Truppen 1794 stehen ließen. Er ist in Privatbesitz und nur nach telefonischer Anmeldung von innen zu sehen.
  • Auf 660 Einwohner kommen fünfzehn Weinbaubetriebe, zwei Straußwirtschaften und eine Vinothek.

Die Ortsgemeinde Senheim hat 660 Einwohner und zwei Ufer. Senheim selbst liegt rechts der Mosel, der kleinere Ortsteil Senhals links; verbunden sind sie durch die Straßenbrücke, die zusammen mit dem Hafen zwischen 1965 und 1967 entstand. Seither hält der Hafendamm den Ort hochwasserfrei. Beilstein liegt sechs Kilometer moselabwärts, Cochem siebzehn.

Am Ortseingang fällt sofort etwas auf, das an der Mosel selten ist. Die Straßen laufen breit und schnurgerade den Hang hinauf zur Kirche, im Winkel zueinander statt im Bogen. Dahinter steckt kein Baustil, sondern eine Katastrophe.

Der Brand von 1839 und ein Dorf am Reißbrett

Am 13. August 1839 brannte Senheim nieder. 106 Wohnhäuser, 22 Kelterhäuser und sieben Scheunen wurden zerstört. Von der mittelalterlichen Bausubstanz mit Toren, Türmen und Befestigungsanlage blieben nur wenige Anwesen, darunter die Kirche und das Burghaus.

Beim Wiederaufbau ging man nicht zurück zum gewachsenen Gassennetz. Die Ortsgemeinde beschreibt das Ergebnis als Aufteilung „nach dem römischen System in Quadrate mit breiten Strassen“, angelegt, um eine nochmalige Brandkatastrophe zu verhindern. Die Straßenbreite war Brandschutz.

Die Ortschronik hält fest, was davon geblieben ist: An fast allen Häusern seien Lineal und Maßstab zu spüren, und der Dorfkern sehe anders aus als die typischen Moseldörfer. Das ist keine Beschönigung, sondern eine ehrliche Ansage an alle, die die Postkartenkulisse mit Fachwerk und Kopfstein suchen. Sie steht auf der anderen Seite des Flusses.

Senhals blieb, wie es war

Senhals hat der Brand nicht berührt. Der Ortsteil ist rund hundert Jahre früher belegt als Senheim: Die Kölner Kirche besaß dort bereits 1067 Güter, Senheim taucht urkundlich erstmals 1140 auf. Alte Bausubstanz und Fachwerkhäuser reichen dort bis ans Moselufer, Mittelpunkt ist die über 600 Jahre alte Magdalenenkapelle mit Fresken aus dem 15. Jahrhundert.

Der zweite Unterschied ist akustisch. Zwischen Senhals und der Bundesstraße liegt ein Hügelrücken, der den Ortsteil vom Verkehrslärm abschirmt; die Gemeinde beschreibt ihn deshalb als kleines, ruhiges Winzerdorf. Für eine Übernachtung ist das ein Argument, das auf keiner Buchungskarte eingezeichnet ist.

Billig war die offene Lage historisch nicht. Senhals war nie befestigt, und das hat sich mehrfach gerächt: 1576 plünderten spanische Truppen den Ort und brannten ihn nieder, im Dreißigjährigen Krieg und in den französischen Kriegen wiederholte sich das. Von der mittelalterlichen Größe des Orts blieb wenig übrig.

Der Turm, dessen Abriss sich nicht lohnte

1794 marschierten die französischen Revolutionstruppen ein und schleiften sämtliche Wehrtürme in Senheim. Einer blieb stehen, und die Begründung ist eine der schöneren Fußnoten der Kreisgeschichte: Der Abriss des Vogteiturms lohnte sich nach dem Urteil der Zeit wegen seines schlechten Zustandes nicht. Seit 1832 ist der Turm in privatem Besitz.

Er gehört zum Typus der staufischen Wohntürme. Die Ortsgemeinde datiert ihn auf die Zeit um 1200 bis 1220, die Dendrochronologie auf 1240 mit fünf Jahren Spielraum. Über einem fast quadratischen Grundriss von 7,70 mal 9,50 Metern stand zunächst ein dreigeschossiger Bau, 12 Meter hoch bis zum Dachansatz, jedes Geschoss ein einziger Raum. Der Umbau von 1471/72 brachte das vierte Geschoss und das steile Satteldach, das man heute sieht.

Eingebunden war der Bau in die Ortsbefestigung, die 1307 um ihn herum entstand. 1378 erwarben die Grafen von Sponheim die Vogtei, und 1438 lieferten sponheimische Untertanen aus Briedern in dem damals „Wienand-Untzen-Turm“ genannten Bau ihren Zins ab.

Von außen ist der Turm jederzeit zu sehen, denn er steht mitten im Ort und nicht auf einem Burgberg. Innen geht es nur nach telefonischer Anmeldung und nur mit Führung. Adresse ist die Brunnenstraße 17, die Rufnummer 02673 4635. Gearbeitet und ausgestellt wird dort auf vier Etagen, Grafik, Malerei und Plastik. Ein Museum mit Öffnungszeiten ist das ausdrücklich nicht, und ohne Anruf vorher steht man vor einer Haustür.

Die Ortschronik erklärt an dieser Stelle noch eine Merkwürdigkeit. Preußen hatte in Senheim schon seit 1618 Besitz und Rechte, während die übrigen Moselorte erst 1815 auf dem Wiener Kongress preußisch wurden. Die Gemeinde nennt ihre Bewohner deshalb die ersten und ältesten Preußen an der Mosel. Senhals kam 1618 an Brandenburg und 1666 an Preußen.

Fünfzehn Weinbaubetriebe auf 660 Einwohner

Die Ortsgemeinde führt fünfzehn Weinbaubetriebe in der Gemeinde, dazu zwei Straußwirtschaften und die Vinothek im Zehnthof in der Altmai. Sieben Hotels und Restaurants kommen hinzu, verteilt auf beide Ufer. Für ein Dorf dieser Größe ist das eine dichte Versorgung, und sie ist die Voraussetzung dafür, dass zwei der drei großen Weinfeste ohne Festplatz auskommen.

Der Weinlehrpfad beginnt am linken Ortsrand von Senheim und führt durch die Lagen oberhalb des Dorfes. Zwanzig Tafeln stehen daran; sie behandeln Wein, Kultur, Geschichte und die Kanalisierung der Mosel. Zum Vergleich: Der Weinlehrpfad durch die Lage Brautrock in Bullay kommt auf sechzehn Tafeln.

Das Weinmuseum Schlagkamp-Desoye steckt in einem ehemaligen Landwirtschafts- und Weingutshof samt Fuhrbetrieb, den die Eigentümer über Jahre überwiegend selbst saniert haben. Das Gebäude selbst gilt als das größte Exponat. Zu sehen sind eine Küche im Original, ein über hundert Jahre altes Gutsherrenbüro, Handwerkserzeugnisse, historische Motorräder, Traktoren und Weinbaugeräte, dazu ein Felsenweinkeller mit Tiefbrunnen, Felsenquelle und Wasserfall. Verkostet wird im Museum selbst.

In Senhals gibt es außerdem das Kulturhistorische Museum Josef Adams. Wer den Ort auf Kunst hin ansieht, findet zudem den Skulpturenpark mit zehn Arbeiten und den Literatenweg.

Wandern, Hafen, Angelschein

Der Rundwanderweg I startet an der Senheimer Kirche und misst etwa acht Kilometer; die Gemeinde rät zu festem Schuhwerk und weist darauf hin, dass sich die Route kürzen und verlängern lässt. Weiter oben liegt der Aussichtspunkt 7 Dörferblick, von dem aus sieben Orte auf einmal zu sehen sind: Senheim, Senhals, Mesenich, Briedern, Beilstein, Poltersdorf und Ellenz.

Der Moselsteig führt mit seiner Etappe 17 von Ediger-Eller nach Beilstein am Ort vorbei, 16 Kilometer, 4,5 Stunden, Schwierigkeitsgrad schwer. Die übrigen Abschnitte im Kreis stehen unter Moselsteig-Etappen.

Am Wasser liegt der gemeindeeigene Sportboothafen, daran angeschlossen der Campingplatz Holländischer Hof: 200 Plätze auf 3,5 Hektar, davon 50 Dauercamper, mit Restaurant, Supermarkt und Clubraum. Was der Platz im Vergleich zu den sechs anderen im Kreis kostet, steht im Überblick zu den Campingplätzen an der Mosel. Die Tennisanlage mit zwei Plätzen wird nicht über einen Verein gebucht, sondern im Campingplatzbüro.

Eine Änderung betrifft alle, die zum Angeln kommen. Erlaubnisscheine für den Fischereibezirk Hafen Senheim gibt es seit 2026 nur noch online über fiskado.de. Der frühere Verkauf an der Tankstelle im Ort ist eingestellt, ein Schein lässt sich also nicht mehr spontan vor Ort lösen.

Der Festkalender

Die großen Termine liegen alle im Sommerhalbjahr, und nur einer davon spielt sich im Festzelt ab.

Das Weinlagenfest fällt immer auf das zweite Wochenende vor Pfingsten und findet nicht im Ort statt, sondern draußen in den Weinbergen zwischen Senheim und Mesenich. 2026 war es vom 8. bis 10. Mai. Die Gemeinde beschreibt dazu eine Wanderung durch die Lagen Goldgrübchen und Lay. Das Pfingstfest des 1. FC Senheim spielt sich um den Weinbrunnen ab und lag 2026 auf dem 22. bis 24. Mai.

Bekannt über den Kreis hinaus ist das große Weinfest Anfang Juli mit Festzelt und Festumzug, weil daran ein Oldtimer- und Schleppertreffen hängt. 2026 lief es vom 3. bis 6. Juli, die Orientierungsfahrt durch die Weinlagen startete samstags um 11 Uhr. Für die Traktorleute sind die Bedingungen deutlich: Das Ausstellungsgelände ist nur von Donnerstag bis Dienstag freigegeben, der Kostenbeitrag richtet sich nach dem Anreisetag und liegt bei 20 Euro donnerstags, 15 Euro freitags und 10 Euro samstags. Partyzelte und offenes Feuer sind untersagt, Platzreservierungen gibt es nicht, und Camper ohne ausgestellten Oldtimer werden nicht zugelassen. Duschen steht nur eingeschränkt im Vereinshaus des Tennisclubs zur Verfügung. Die Festgemeinschaft rät außerdem zum eigenen Stromerzeuger, weil das Netz auf dem Gelände in den Vorjahren zeitweise überlastet war.

Das Winzerhoffest am dritten Septemberwochenende, 2026 vom 18. bis 20. September, trägt den Ort des Geschehens schon im Namen: die Winzerhöfe. Dazu kommen die Grillabende der Feuerwehr im Hafenvorgelände, die beiden Sankt-Martins-Züge im November und die Kirmes; die Einzeltermine stehen in der Terminübersicht.

Senheim pflegt seit 1935 Weinpatenschaften mit Recklinghausen und Kirchhellen. Die Gemeinde schreibt, dass Gäste von dort das Weinfest und das Dorfstraßenfest stabilisieren.

Für einen Tagesbesuch lohnt sich Senheim vor allem mit vorheriger Anmeldung am Vogteiturm; ohne sie bleiben das Ufer, der Weinlehrpfad und der Blick von oben. Für eine Übernachtung ist Senhals die ruhigere Adresse mit dem älteren Ortsbild, Senheim die mit Hafen, Campingplatz und Gastronomie.

Angaben nach den Seiten der Ortsgemeinde Senheim, Stand August 2026.

Warum sieht Senheim anders aus als die übrigen Moseldörfer?

Weil der Ort am 13. August 1839 fast vollständig abbrannte: 106 Wohnhäuser, 22 Kelterhäuser und sieben Scheunen wurden zerstört. Beim Wiederaufbau wurde Senheim nach Angaben der Ortsgemeinde in Quadrate mit breiten, geraden Straßen aufgeteilt, damit ein Feuer nicht erneut von Haus zu Haus springen kann. Erhalten blieben nur wenige Anwesen, darunter die Kirche und das Burghaus.

Kann man den Vogteiturm in Senheim besichtigen?

Von außen jederzeit, von innen nur nach telefonischer Anmeldung und nur mit Führung. Der Turm steht in der Brunnenstraße 17 und ist in Privatbesitz; die Rufnummer lautet 02673 4635. Feste Öffnungszeiten gibt es nicht. Stand August 2026.

Was ist der Unterschied zwischen Senheim und Senhals?

Es sind die beiden Ortsteile derselben Gemeinde auf gegenüberliegenden Moselufern, verbunden durch die Straßenbrücke von 1965 bis 1967. Senhals ist der kleinere, ältere und ruhigere Teil: Er ist seit 1067 urkundlich belegt, blieb vom Brand von 1839 verschont, hat noch Fachwerk am Ufer und ist durch einen Hügelrücken von der Bundesstraße getrennt.

Wann sind die Weinfeste in Senheim?

Das Weinlagenfest liegt immer auf dem zweiten Wochenende vor Pfingsten und wird in den Weinbergen zwischen Senheim und Mesenich gefeiert, das große Weinfest mit Oldtimer- und Schleppertreffen Anfang Juli, das Winzerhoffest am dritten Septemberwochenende. 2026 waren das der 8. bis 10. Mai, der 3. bis 6. Juli und der 18. bis 20. September.