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Urschmitt bei Cochem: Bürgerhaus, Kirche und Wanderwege

 · 9 Min. Lesezeit

Pfarrkirche St. Quirinus in Urschmitt mit polygonalem Chor und Schieferdächern, links ein Fachwerkhaus
Foto: Langenbergstefan, CC0 (skaliert), via Wikimedia Commons

Kurzzusammenfassung

  • Urschmitt liegt acht Kilometer südwestlich von Cochem auf den Eifelhöhen und zählte zum 31. Dezember 2025 genau 203 Einwohner.
  • Eine private Familienfeier im Bürgerhaus Ursmadia kostet Ortsansässige 86 Euro am Tag, Auswärtige 140 Euro; Strom, Heizung und Wasser kommen nach Verbrauch dazu.
  • Der Hochaltar der Pfarrkirche St. Quirinus kam aus dem Kloster Stuben bei Bremm, die ältere der beiden Glocken wurde 1395 gegossen.
  • Vier Rundwanderwege beginnen im Dorf; ohne Auto führt der Weg über die Buslinie 716 mit Umstieg in Lutzerath oder Alflen.

Urschmitt ist eine Ortsgemeinde der Verbandsgemeinde Ulmen und liegt acht Kilometer südwestlich von Cochem, vier Kilometer nordwestlich der Mosel bei Bremm. Der Ort sitzt auf vergleichsweise ebenem Gelände östlich der Anhöhe Blinzberg, die 430 Meter über Normalnull erreicht; die Gemarkung misst 6,61 Quadratkilometer und fällt bis auf 165 Meter ab, dorthin, wo der Bach sie im Süden verlässt. Die östliche Hälfte des Gemeindegebiets gehört zum Staatsforst Cochem, dazu kommt der Wohnplatz Forsthaus Sommet. Postleitzahl 56825, Vorwahl 02677.

Mit 203 Einwohnern und 31 Einwohnern je Quadratkilometer ist Urschmitt eine der kleinsten Gemeinden des Kreises, und die Zahl geht zurück: 1970 und 1997 lebten hier je 297 Menschen, 2005 noch 277. Der heutige Stand liegt ungefähr dort, wo er 1815 lag. Haupterwerbslandwirte gibt es nach Darstellung der Ortsgemeinde keine mehr, obwohl das Dorf landwirtschaftlich geprägt bleibt.

Beinahe wäre die Gegend eine andere geworden. Ende der 1960er Jahre plante RWE das Pumpspeicherwerk Bremm, mit einem sechs Kilometer langen Obersee im Erdenbachtal westlich des Ortes und einem kleineren Untersee im Ellerbachtal im Osten. Der Höhenzug mit Urschmitt, Kliding und Beuren wäre danach zu beiden Seiten von Stauseen begrenzt gewesen.

Was das Bürgerhaus kostet

Nach der Auflösung der Volksschule 1974 diente das Schulgebäude als Gemeindehaus, und als die letzte Gaststätte im Ort schloss, fanden dort auch die Familienfeiern und die Beerdigungskaffees statt. Der Rat entschied sich gegen einen Anbau: Am 30. August 1995 beschloss er einen Neubau, die Baugenehmigung datiert vom 6. Mai 1997, die Grundsteinlegung erfolgte im Spätsommer desselben Jahres. Eingeweiht wurde das Haus am 5. Dezember 1998 unter dem Namen Ursmadia. So heißt der Ort in einer Urkunde von 1190.

Die Gebührensatzung vom 23. Oktober 2013 staffelt nach Anlass und danach, ob jemand im Dorf wohnt:

Anlass Ortsansässige Auswärtige
Festveranstaltung 161 € / Tag 247 € / Tag
Private Familienfeier 86 € / Tag 140 € / Tag
jeder weitere Tag 54 € 86 €
Familienabend eines Vereins 86 € / Tag 140 € / Tag
Beerdigung 86 € / Tag 140 € / Tag

Für eine Feier im Partyraum im Untergeschoss samt Zeltgarnitur werden 30 Euro am Tag fällig, ebenso viel für eine Familienfeier ausschließlich im Foyer. Eine Garnitur aus einem Tisch und sechs Stühlen kostet außer Haus 5 Euro und im Partyraum 3 Euro, verliehen wird sie ausdrücklich nur für Feiern zu Hause; ein Gedeck Porzellan und Besteck kostet 1 Euro. Bei den meisten Anlässen kommen die Nebenkosten nach tatsächlichem Verbrauch dazu: 0,30 Euro je Kilowattstunde Strom, 4,50 Euro je Kubikmeter Wasser und Abwasser, beim Heizstrom bis 50 Kilowattstunden eine Pauschale von 10 Euro und darüber 0,10 Euro je Kilowattstunde. Den Müll entsorgen die Benutzer selbst.

Beim Datum widersprechen sich die beiden Absender: Die Satzungsübersicht der Verbandsgemeinde Ulmen führt dieselbe Regelung als „Gebührensatzung Gemeindehaus vom 03.11.2013“, die Ortsgemeinde überschreibt ihren eigenen Text mit dem 23. Oktober 2013. An den Beträgen ändert das nichts. Festgesetzt wird die Gebühr vom Ortsbürgermeister, überwiesen wird sie an die Verbandsgemeindekasse in Ulmen. Die Bürgersprechstunde ist mittwochs von 19 bis 20 Uhr im Bürgerhaus, Kirchstraße 24.

Die Kirche ist älter als ihr Baujahr

Das Bauwerk, das heute am östlichen Ortsrand steht, wurde 1908 errichtet und am 2. Mai 1909 konsekriert. So steht es in der Pfarrchronik, und die Denkmalliste des Landes nennt dasselbe Baujahr, dazu einen spätromanischen Turm und eine zweistufige neugotische Stufenhalle; die Wikipedia-Ortsseite datiert die Kirche dagegen auf 1910. Warum überhaupt neu gebaut wurde, erklärt die Chronik: Bei starkem Unwetter drang Wasser in die alte Kirche ein, der Dorfbach füllte sie zeitweise einen Meter hoch. Vom 7. bis 15. März 1908 riss die männliche Dorfjugend das alte Langschiff ab. Beim Ausheben der Fundamente kamen Goldmünzen aus der Kurfürstenzeit zutage; sie gingen ans Trierer Museum, und der Bischof bewilligte der Pfarrei dafür 250 Mark aus dem Fastenalmosen des Bistums. Der Neubau war mit 30.000 Mark veranschlagt.

Älter als der Bau ist fast alles, was drinsteht. Der Westturm stammt aus dem Neubau von 1217, den das Kloster Stuben bei Bremm errichtete; über dem Portal sitzt eine Schlusssteinkartusche mit der Jahreszahl 1713 und dem Wappen der damaligen Vorsteherin des Klosters. Der Hochaltar aus Kalkstein kam ebenfalls von der Moselinsel und ist nach dem Stifterwappen das Geschenk eines Ulmener Herrn und seiner Gemahlin. In seinen Nischen stehen der heilige Quirinus, seit 1656 Kirchenpatron, und der heilige Ferreolus mit der Kette. Von den beiden Glocken wurde die ältere 1395 gegossen; die zweite wurde 1951 umgegossen, nachdem Urschmitt und Kliding 1917 je eine Glocke zur Herstellung von Artilleriegeschossen hatten abliefern müssen. Die Orgel von 1968 hat 19 Register und 962 Pfeifen.

Die Pfarrei selbst reicht bis 980 zurück, als der Trierer Erzbischof die der Mutterkirche Klotten unterstellte Kirche der „Villa Udmodsard“ weihte. 1190 bestätigte das Erzstift dem Kloster Stuben die Kapelle „zur Ursmadia“, 1770 wurde Urschmitt eine selbständige Pfarrei. Kliding gehörte über Jahrhunderte dazu und bildete mit Urschmitt bis 1848 sogar eine Gemeinde. Das Wappen fasst diese Geschichte zusammen: das goldene Patriarchenkreuz für das Kloster Stuben, das schwarze Schwert für den heiligen Quirinus, Ähren und Sichel für die Entstehung als Rodungsort und Gutshof.

Drei weitere Kulturdenkmäler führt die Landesliste. Das Fachwerkhaus Dorfstraße 5 mit abgewalmtem Mansarddach stammt aus dem 18. Jahrhundert und steht damit unmittelbar neben der Kirche, die die Hausnummer 3 trägt; ein zweites Fachwerkhaus des Dorfes wurde Stein für Stein abgetragen und im Freilichtmuseum Kommern wieder aufgebaut. An der L 106 westlich des Ortes steht ein Heiligenhäuschen mit einem Sandstein-Wegekreuz aus dem 18. Jahrhundert, südwestlich davon ein Bildstock mit neugotischer Muttergottes.

Vier Rundwege und ein Anruf statt eines Busses

Die Ortsgemeinde führt vier Rundwanderwege, die alle im Dorf beginnen und dort wieder enden: über den Borbach und den Erdenbach, über „Auf Pliens“ und den Letzebach zur Bauschuttdeponie, entlang dem Lotterbach in drei Varianten und schließlich über Sommet und das Ellerbachtal, ebenfalls in drei Varianten. Wegelängen und Höhenmeter nennt sie nicht. Zwei der vier führen also durch die Bachtäler, in denen fast der RWE-Stausee gelegen hätte.

Ohne Auto geht es besser, als die Größe des Dorfes vermuten lässt. Urschmitt hängt zusammen mit Kliding und Beuren über die Linie 716 im Stundentakt am Regionalnetz, am Wochenende im Zweistundentakt, mit Anschluss an die Linie 700 zwischen Cochem und Ulmen; umgestiegen wird in Lutzerath oder Alflen. An Schultagen fährt die Linie 706 direkt über Gevenich nach Cochem und etwas später nach Lutzerath. Bad Bertrich ist über dieselbe Verbindung erreichbar.

Ergänzt hat die Kreisverwaltung dieses Angebot zum 1. Mai 2014 um ein Anruf-Sammel-Taxi. Es kostet so viel wie der normale Bus, fährt die regulären Haltestellen an und ist unter 0261 29670388 zu bestellen, spätestens eine Stunde vor der gewünschten Abfahrt, bei Gruppen ab fünf Personen zwei Tage vorher. Die Fahrpläne, die die Ortsgemeinde verlinkt, sind die Ausgaben von 2022; daneben verweist sie auf die Auskunft des Verkehrsverbunds unter 0800 5986986.

Windräder, Schulden und ein Backhaus

Auf der rund 120 Hektar großen Windvorrangfläche der Gemeinden Beuren, Kliding und Urschmitt sind sieben Anlagen genehmigt, verteilt auf zwei Hochplateaus um 420 Meter Höhe; die Baugenehmigung datiert vom 8. Dezember 2022. Die Windkraft-Seite der Ortsgemeinde ist danach stehen geblieben: Sie kündigt den Baubeginn zum 1. September an und die Inbetriebnahme für den Herbst 2024, ohne den heutigen Stand zu nennen. Die Zahlen des Betreibers stehen ausführlicher im Beitrag über Kliding.

Finanziell hängt die Gemeinde seit dem 13. August 2012 am Kommunalen Entschuldungsfonds des Landes, mit einem Konsolidierungsvertrag, dessen Nachweise die Verbandsgemeinde bis 2021 veröffentlicht. Für den Friedhof gelten feste Sätze: 130 Euro für eine Reihengrabstätte, 80 Euro für eine Urnenreihengrabstätte, 400 Euro für das Nutzungsrecht an einer Doppelgrabstätte. Eine pflegefreie Rasengrabstätte kostet 1.500 Euro bei einer Erdbestattung und seit August 2019 500 Euro bei einer Urnenbeisetzung. Seit Oktober 2024 fallen 60 Euro im Jahr an, wenn ein Grab vorzeitig eingeebnet wird.

Wie klein die Verhältnisse sind, zeigt die Hauptsatzung vom Oktober 2024 deutlicher als jede Einwohnerzahl: keine Ortsbezirke, ein einziger Ausschuss für die Rechnungsprüfung, 10 Euro Sitzungsgeld. Amtlich bekannt gemacht wird im Mitteilungsblatt „Vulkan Echo“ der Verbandsgemeinde. Muss es schneller gehen, hängt die Gemeinde die Einladung zu einer dringlichen Sitzung an die Bekanntmachungstafel, und die befindet sich laut Satzung am Backhaus.

Angaben nach den Seiten der Ortsgemeinde Urschmitt und der Verbandsgemeinde Ulmen sowie der Denkmalliste des Landes, Stand August 2026.

Was kostet das Bürgerhaus Ursmadia in Urschmitt?

Eine private Familienfeier kostet Ortsansässige 86 Euro am Tag und Auswärtige 140 Euro, eine Festveranstaltung 161 beziehungsweise 247 Euro, der Partyraum im Untergeschoss 30 Euro. Dazu kommen Strom mit 0,30 Euro je Kilowattstunde sowie Wasser und Abwasser mit 4,50 Euro je Kubikmeter. Gebührensatzung vom 23. Oktober 2013, Stand August 2026.

Wie kommt man ohne Auto nach Urschmitt?

Über die Buslinie 716, die Urschmitt, Kliding und Beuren im Stundentakt und am Wochenende im Zweistundentakt mit Lutzerath und Alflen verbindet; dort besteht Anschluss an die Linie 700 zwischen Cochem und Ulmen. An Schultagen fährt die Linie 706 direkt über Gevenich nach Cochem. Dazu kommt das Anruf-Sammel-Taxi unter 0261 29670388, das eine Stunde vor der Abfahrt bestellt werden muss und so viel kostet wie der Bus.

Was ist in der Pfarrkirche St. Quirinus zu sehen?

Der Kalkstein-Hochaltar aus dem Kloster Stuben bei Bremm mit den Figuren des heiligen Quirinus und des heiligen Ferreolus, der Westturm aus dem Klosterbau von 1217 mit einer Portalkartusche von 1713 sowie zwei Glocken, deren ältere aus dem Jahr 1395 stammt.