Auderath bei Ulmen: Eifeldorf am Weg durchs Enderttal
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Kurzzusammenfassung
- Auderath liegt auf 460 Metern Höhe in der Vulkaneifel, rund drei Kilometer südöstlich von Ulmen, und gehört zur Verbandsgemeinde Ulmen im Landkreis Cochem-Zell.
- Durch die Gemarkung führt der Wanderweg von Ulmen nach Cochem durch das Enderttal. Seit dem 12. Oktober 2019 steht dafür wieder eine Brücke über die Endert.
- Im Wohnplatz Waldfrieden leben seit August 1953 Karmelitinnen. Die Kirche im Dorf stammt von 1734, das Pestkreuz davor trägt die Jahreszahl 1657.
Auderath ist ein Rodungsdorf auf der Eifelhochfläche, keine Adresse an der Mosel. Er liegt auf 460 Metern über dem Meer, etwa drei Kilometer südöstlich von Ulmen; nach Alflen und zum Fliegerhorst Büchel im Osten sind es zwei Kilometer. Über die B 259 erreicht man nach Angabe der Verbandsgemeinde nach etwa fünf Kilometern die A 48. Zur Gemeinde gehören die Wohnplätze Waldfrieden und Wilhelmshöhe.
Bei der Einwohnerzahl gehen die Quellen auseinander: Wikipedia führt 655 Einwohner zum 31. Dezember 2025 auf 6,19 Quadratkilometern, die Ortsgemeinde selbst schreibt von rund 670. Der Name erklärt die Entstehung, denn die Endung -rath steht für Rodung; als „Udenrait“ taucht der Ort 1447 in einer Urkunde auf. Ein einziges Wort trennt bis heute das Auderather Platt vom Dialekt der Nachbardörfer: „Kond“ statt „Kind“, mit offenem o, wie in „Wond“ für Wind.
Durch das Enderttal nach Cochem, mit dem Rad nach Bad Bertrich
Der Wanderweg durch das Enderttal beginnt eine Ortschaft weiter. Er startet in Ulmen, führt durch die Gemarkung Auderath und erreicht nach den Angaben der Ortsgemeinde nach rund 20 Kilometern Cochem. Auf der Strecke liegen das Ulmener Maar, der Jungfernweiher, die Burgruine Ulmen, das Kloster Maria Martental, der Wasserfall Rausch und am Ende die Reichsburg.
Der Zugang vom Dorf aus hing lange an einer Brücke. Am 12. Oktober 2019 wurde eine neue über die Endert gesetzt, gebaut in Eigenleistung und gefördert im Rahmen des Programms „Innogy Aktiv vor Ort“. Seitdem ist der Weg von Auderath aus trockenen Fußes erreichbar. Die Ortsgemeinde nennt das Enderttal wildromantisch und den Weg selbst, ohne jede Zurückhaltung, den schönsten Wanderweg Deutschlands.
Radfahrer haben eine eigene Linie durch den Ort: Die Vulkan-Rad-Route Eifel verläuft auf 77 Kilometern von Dümpelfeld an der Ahr über Kelberg, Ulmen und Auderath nach Bad Bertrich. Für Mountainbiker liegt der Ort im Vulkanbike Trailpark mit rund 750 Kilometern ausgeschilderter Strecke; die Karten dazu gibt es bei der Touristinformation der Verbandsgemeinde Ulmen. Das Enderttal weiter flussabwärts, mit dem Schieferbergbau als Thema, beschreibt der Beitrag zu Leienkaul.
Für kurze Runden ohne Planung gibt es den Wandertreff der Dorfgemeinschaft: ein bis zwei Stunden, die Strecke legt die Gruppe gemeinsam fest, eingeladen sind Alteingesessene wie Zugezogene.
Die Kirche von 1734, das Pestkreuz und ein Siegel von 1447
Die katholische Kirche Maria Rosenkranzkönigin ist ein schlichter Saalbau von 1734, 1952 erweitert. Sie ist eine Filiale von Alflen, und beim Versetzen des alten Altars kam 1952 ein Fund ans Licht: Im Sepulcrum lag ein Reliquienbehälter, ein gotisches Nuppenglas mit unversehrter Wachsumhüllung und einem roten Wachssiegel. Es trug das Siegel des Trierer Weihbischofs Gerhard von Salona, im Amt von 1432 bis 1448. Geöffnet wurde der Behälter nie, weil sich im Bistumsarchiv die zugehörige Urkunde fand, ausgestellt am 9. August 1447 in Koblenz. Sie ist zugleich die vermutlich älteste Erwähnung des Ortes.
Die Patrone haben mehrfach gewechselt: 1569 der heilige Sebastian, 1577 die heilige Luzia, 1656 der Pestheilige Rochus. Aus demselben Jahrzehnt stammt das Pestkreuz vor der Kirche mit der Jahreszahl 1657; beides deutet darauf hin, dass die Seuche das Dorf erreicht hatte. Wie es dem Bau danach ging, hält ein Visitationsprotokoll von 1715 in einem Satz fest: „Die Kap.[elle] in Audert befindet sich in sehr elendem Zustande.“ Der Neubau von 1734 war die Antwort darauf.
In einem Detail widersprechen sich die Quellen: Wikipedia führt eine Glocke von 1481 im Inneren der Kirche, die Verbandsgemeinde Ulmen beschreibt eine historische Kirchenglocke aus demselben Jahr auf dem Vorplatz des Bürgerhauses. Beide Angaben stehen nebeneinander, und nachsehen muss man an zwei Stellen.
Im Wald leben Karmelitinnen, und das Kloster ist keine Besichtigung
Etwas außerhalb, im Wohnplatz Waldfrieden, steht das Kloster St. Josef der Unbeschuhten Karmelitinnen. Die Schwestern zogen im August 1953 in das „Haus Waldfrieden“ ein; sie kamen aus Kordel bei Trier, wo ihr 1922 gegründetes Haus zu klein geblieben war. Den Ausschlag für den Kauf gab der Park. Im Erdgeschoss entstanden der Betchor und die Kapelle für die Gläubigen, getrennt durch ein Klausurgitter; die Klausurmauer wurde ab 1959 errichtet und 1961 fertig.
Für Besucher heißt das etwas anderes als bei einem Kloster mit Museumsbetrieb. Nach der Darstellung des Klosters führen die Schwestern ein Leben des Gebetes in der Verborgenheit der Klausur, ohne äußeres Apostolat. Was offensteht, ist die Kapelle zu den Gottesdiensten; weil die Zahl der Besucher in den neunziger Jahren zunahm, lässt sich das Gitter zum Betchor seither während der Gottesdienste öffnen. Für die Zeiten verweist die Ortsgemeinde auf die Pfarreiengemeinschaft Ulmen. Neuzugänge gibt es nach Angaben des Klosters seit längerem nicht mehr.
Der wiedergefundene Brunnen an der alten Schule
Den „Schulboa“ gab es zwischenzeitlich gar nicht mehr. Ein Auderather Brunnenbauer legte ihn beim Bau der alten Schule zwischen 1898 und 1906 an: 18,5 Meter tief ab Brunnenrand, etwa 1,30 Meter Durchmesser, gefasst mit einer rund 40 Zentimeter starken Bruchsteinmauer. Im Schacht stehen rund 20.000 Liter, und bei einem Pumpversuch sank der Pegel trotz einer Entnahme von 300 Litern in der Minute nur langsam.
Am 23. August 1941 zerstörte eine Fliegerbombe die alte Schule und den gemauerten Aufbau des Brunnens. Beim Neubau der Schule 1953 deckte man den Schacht mit einer Betonplatte ab, danach geriet seine Lage in Vergessenheit. Erst im Sommer 2018 fand man ihn nach mehreren Anläufen wieder. 2020 mauerten Ehrenamtliche den Aufbau aus Trapezsteinen neu, etwas höher als früher und mit einem Gitter gesichert; über eine Schwengelpumpe lässt sich Wasser entnehmen.
Orchideen und Grabhügel liegen in der Flur, nicht am Wegesrand
Auf der Wiese „Unter Seitert“ wächst ein Bestand des Breitblättrigen Knabenkrauts, nach Angabe der Ortsgemeinde vermutlich der größte Orchideenbestand im Landkreis Cochem-Zell. Das Land Rheinland-Pfalz führt die Fläche im Biotopkataster als schutzwürdig; erhalten hat sich der Bestand, weil sie gemäht und nicht gedüngt wurde. Zum Knabenkraut gehört ein alter Aberglaube: Die fingerförmigen Knollen galten je nach Alter als Teufelsfinger oder als Marienfinger und sollten am Mittag des Johannistages kranke Körperteile durch Berührung heilen.
Zweite Fundstelle sind die Hügelgräber im Distrikt Seitert. Bei einer Begehung mit dem Archäologischen Amt Koblenz am 1. April 2004 wurden dort drei Grabhügel aus der Hallstatt- oder Keltenzeit festgestellt, alle bereits von Grabräubern geöffnet. Vermessen wurden außerdem zwei römische Villen, von beiden sind Ziegelplatten einer Fußbodenheizung nachgewiesen.
Beides führt die Ortsgemeinde unter Sehenswertem, ohne einen Zugang, einen Parkplatz oder eine Öffnungszeit zu nennen. Die Orchideenfläche ist eine bewirtschaftete Mähwiese, die Grabhügel liegen in der Flur. Als Ausflugsziel taugt keines von beiden; als Grund, beim Gehen genauer hinzusehen, schon.
Was das Dorf hat, und was drei Kilometer weiter liegt
Der Mittelpunkt ist das barrierefreie Bürgerhaus in der Hauptstraße 19 mit Bühne und Vorplatz. Es hält 250 Stühle und Gedecke für 130 Personen bereit, dazu Küche, Kühlhaus und eine Zapftheke. Vermietet wird auch an Privatpersonen und Auswärtige: kulturelle Veranstaltungen ohne Eintritt und ohne Verkauf sind mietfrei, sonst nennt die Ortsgemeinde die Gebühr auf Anfrage, und die Endreinigung kostet den Mieter 15 Euro je Stunde. Für Feiern im Grünen steht die achteckige Matteshütte, 1977/78 von der Feuerwehr in Eigenleistung gebaut. Sie kostet am Tag 25 Euro für Auderather und 50 Euro für Auswärtige, zu erfragen unter Telefon 01520 6340841 (Stand August 2026).
Übernachten lässt sich im Hotel Wilhelmshöhe im gleichnamigen Wohnplatz, das nach eigener Beschreibung ein Restaurant mit regionaler Küche führt, oder im Ferienhaus Eifel Finca. Unter Selbstvermarktern nennt die Ortsgemeinde ein Selbstbedienungslädchen in der Brunnenstraße mit täglich frischen Freilandeiern und Nudeln aus den eigenen Eiern. Schulen, Ärzte, Apotheken, Einkauf und Verwaltung liegen in Ulmen, drei Kilometer entfernt; die Buslinien 700 und 715 binden den Ort an.
Regelmäßig offen ist das Bürgerhaus für drei Angebote der Initiative Dorf.Gemeinschaft.Auderath. Alle 14 Tage von 14.30 bis 17 Uhr treffen sich im neuen Anbau der offene Strick- und Handarbeitstreff und die kleine Dorfbücherei, nächster Termin ist der 10. September 2026; die Ausleihe ist kostenfrei, auch die Auderather Dorfchronik liegt dort. Der Seniorenkaffee folgt einmal im Monat von 15 bis 18 Uhr, das nächste Mal am 9. September 2026.
Das ist der ganze Terminkalender. Wikipedia nennt ein Waldfest an der Matteshütte an Pfingsten und die Kirmes am ersten Wochenende im Oktober; im Kalender der Ortsgemeinde stehen bis August 2027 nur die drei wiederkehrenden Treffen. Für einen Besuch heißt das: Auto am Bürgerhaus abstellen, über die Brücke hinunter ins Enderttal, Einkehr in Ulmen oder unten in Cochem. Der Ort selbst ist mit Kirche, Pestkreuz und Brunnen in einer knappen Stunde gesehen. Ähnlich angelegte Nachbarn derselben Verbandsgemeinde sind Kliding und Lutzerath.
Quellen: Ortsgemeinde Auderath (Unser Dorf, Rad und Wandern, Kirchengeschichte, Kloster Waldfrieden, Matteshütte, Hügelgräber, Orchideenwiese, Schulboa, Bürgerhaus, Veranstaltungskalender), Verbandsgemeinde Ulmen sowie Wikipedia zu Auderath. Abgerufen am 18. August 2026.
Wie kommt man von Auderath nach Cochem zu Fuß?
Über den Wanderweg durch das Enderttal. Er beginnt in Ulmen, führt durch die Gemarkung Auderath und erreicht nach Angabe der Ortsgemeinde nach rund 20 Kilometern Cochem. Seit dem 12. Oktober 2019 führt wieder eine Brücke über die Endert.
Kann man das Kloster Waldfrieden in Auderath besichtigen?
Ein Besichtigungsangebot gibt es nicht: Das Kloster beschreibt das Leben der Karmelitinnen als Leben des Gebetes in der Klausur, ohne äußeres Apostolat. Zugänglich ist die Kapelle zu den Gottesdiensten; für die Zeiten verweist die Ortsgemeinde auf die Pfarreiengemeinschaft Ulmen.
Was kostet die Matteshütte in Auderath?
25 Euro pro Tag für Auderather, 50 Euro für Auswärtige, Stand August 2026. Die achteckige Schutzhütte hat rund 60 Quadratmeter und wurde 1977/78 von der Freiwilligen Feuerwehr in Eigenleistung gebaut.
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