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Ulmen in der Eifel: der jüngste Vulkan und der Stollen darunter

 · 9 Min. Lesezeit

Luftbild eines dunklen runden Kratersees, links am Ufer Häuser und eine Kirche, rechts eine Burgruine auf dem Wall
Foto: Wolkenkratzer, CC BY-SA 4.0 (skaliert), via Wikimedia Commons

Kurzzusammenfassung

  • Ulmen ist Stadt und Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde im Landkreis Cochem-Zell, zählt 3.431 Einwohner zum 31. Dezember 2025 und liegt auf 452 Metern über Normalhöhennull.
  • Der Ulmener Maar-Stollen ist seit dem 24. April 2023 ohne Anmeldung begehbar: 126 Meter quer durch einen erloschenen Vulkan, von April bis September zwischen 6 und 22 Uhr, von Oktober bis März zwischen 8 und 18 Uhr.
  • Das Ulmener Maar gilt als jüngster Vulkan nördlich der Alpen. Vor Kontakt mit dem Wasser warnt die Stadtverwaltung wegen Blaualgen.
  • 1995 zogen rund 3.000 Menschen gegen die Schließung der Kaserne durch den Ort. Sie wurde trotzdem geschlossen, und Ulmen ist seitdem um rund fünfhundert Einwohner gewachsen.

Ulmen liegt an der A 48 ungefähr auf halber Strecke zwischen Koblenz und Trier, im Osten des Natur- und Geoparks Vulkaneifel; bis zur Mosel nach Cochem sind es 21,4 Kilometer Fußweg durch das Enderttal. Die Stadt ist Sitz der Verbandsgemeinde Ulmen, staatlich anerkannter Erholungsort und landesplanerisch als Grundzentrum ausgewiesen. Zu ihr gehören die Stadtteile Meiserich, Vorpochten und Furth sowie die Wohnplätze Auderather Mühle, Forsthaus Hochpochten und Meiserichermühle. Auf 28,74 Quadratkilometern wohnen 3.431 Menschen, also 119 je Quadratkilometer. Postleitzahl 56766, Vorwahl 02676, Kennzeichen COC oder ZEL. Stadtbürgermeister ist seit 2014 Thomas Kerpen (CDU), bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 mit 84,8 Prozent bestätigt. Der Stadtrat hat 20 Sitze: elf CDU, sechs Bürger für Ulmen, drei SPD.

Das Maar: jung, tief und nicht zum Baden

Das Ulmener Maar liegt östlich des Ortskerns, direkt unterhalb der Burgruine. Es misst rund 510 mal 250 Meter, bedeckt 5,5 Hektar und ist tief: Die Stadt gibt 36 Meter an, die Wikipedia 37. Der Krater selbst reicht bis zu 86 Meter hinab, der Tuffwall ringsum ist bis zu 20 Meter hoch. Mit einem Alter von rund 11.000 Jahren gilt das Maar als der jüngste Vulkan nördlich der Alpen; ab vier Metern Tiefe steigen bis heute Gasblasen auf. Einen natürlichen Zu- oder Abfluss hat der See nicht.

Baden ist hier keine Option, und das ist keine Formalie. Die Stadtverwaltung warnt nach dem Stand von 2024 vor jeglichem Kontakt mit dem Wasser, weil vermehrt Blaualgen auftreten, die Hautreizungen und allergische Reaktionen auslösen können. Der Weg um das Ufer bleibt davon unberührt: Ein Rundweg führt am überwiegend dicht bewaldeten Rand entlang, und der Blick von der Burgruine hinunter auf das Wasser ist der, den fast jede Aufnahme des Ortes zeigt.

Zweihundert Meter nördlich, jenseits der Autobahn und etwa zehn Meter tiefer, liegt der Jungferweiher. Auch er ist ein Maar, aber ein 118.000 Jahre altes und verlandetes: 23 Hektar groß, im Schnitt 80 Zentimeter tief. In den 1930er Jahren wurde dort Torf gestochen, 1942 staute man das Wasser wieder auf. Der Nordteil ist heute Schutzgebiet für seltene und bedrohte Vogelarten.

126 Meter durch den Vulkan, und der Name stimmt nicht

Zwischen beiden Gewässern verläuft ein Stollen, den die Gegend lange „Römerstollen“ nannte. Untersuchungen der Universität Trier haben ergeben, dass er nicht römisch ist: Gegraben wurde er im Hochmittelalter, etwa zwischen 1050 und 1250, und diente wahrscheinlich dem Mühlenbetrieb. Die Trierer Fachleute halten die beiden Ulmener Stollen für eine nördlich der Alpen einmalige wasserwirtschaftliche Großanlage. Sie regulieren bis heute den Wasserstand zwischen Maar und Weiher.

Seit dem 24. April 2023 kann man hindurchgehen. Der Tunnel ist 126 Meter lang, stellenweise sechs Meter hoch und an einer Stelle nur 70 Zentimeter breit; auf halbem Weg liegt eine Kammer mit Schautafeln, der geologische Schauraum. Netze sichern die Wände, ein Helm ist nicht nötig. Frei zugänglich heißt hier: ohne Anmeldung, begrenzt sind allein die Zeiten.

Zeitraum Ulmener Maar-Stollen begehbar
April bis September 6:00 bis 22:00 Uhr
Oktober bis März 8:00 bis 18:00 Uhr

Angaben der Stadt Ulmen, Stand 4. September 2026. Führungen laufen über eine eigene Anmeldeseite der Stadt.

Der Eingang am Jungferweiher ist ohne Hindernisse zugänglich und mit Graffiti bemalt, die die Entstehung des Stollens erzählen. Der Rundweg am Maar dagegen ist wegen des Geländes und der Naturschutzauflagen nicht barrierefrei. Mit Rollstuhl oder Kinderwagen ist der Jungferweiher deshalb der bessere Standort: Sein Rundweg ist vollständig barrierefrei, der Stollen ebenfalls passierbar.

Die Burg wurde abgetragen, weil der Ort brannte

Ulmen ist erstmals 1074 erwähnt, besiedelt war die Gemarkung deutlich früher: Südlich der Burg liegen merowingerzeitliche Gräber, ein Hügelgrab wird auf etwa 500 vor Christus datiert. Ritter Heinrich von Ulmen zog zu Beginn des 13. Jahrhunderts mit dem Vierten Kreuzzug nach Konstantinopel und brachte von dort die Staurothek mit, ein Reliquiar mit Teilen des Heiligen Kreuzes. Es liegt heute nicht in Ulmen, sondern im Dom von Limburg an der Lahn.

Die Stadtrechte bekam der Ort 1376 von Kaiser Karl IV. In preußischer Zeit gingen sie verloren, und erst am 2. Oktober 2009 durfte sich Ulmen wieder „Stadt“ nennen. Dazwischen liegt der Grund, warum von der Burg über dem Maar nur eine Ruine steht: Im 19. Jahrhundert ersteigerte ein Cochemer Bürger die Anlage und nutzte sie als Steinbruch. Als Ulmen 1831 fast vollständig abbrannte, wurden die Häuser mit den Steinen der Burg wieder aufgebaut. Der Ortskern besteht also buchstäblich aus dem Mauerwerk seiner eigenen Burg.

Die Garnison ging, und der Ort wuchs trotzdem

Am 20. März 1995 zogen rund 3.000 Menschen mit Fackeln vom Bürgersaal zur Eifel-Maar-Kaserne. Es war die größte Demonstration in der Geschichte des Ortes, und sie hatte ungefähr so viele Teilnehmer, wie Ulmen damals Einwohner zählte. Der Anlass: Die Kaserne sollte trotz gegenteiliger Zusagen vollständig geschlossen werden. Sie wurde geschlossen. Am 27. Juni 1997 verließ der letzte Soldat das Gelände, das heute als „Eifel-Maar-Park“ zivil genutzt wird.

Was danach kam, widerspricht dem, was man von einem Garnisonsort ohne Garnison erwartet. 1997 hatte Ulmen 2.921 Einwohner, 2005 waren es 3.243, 2024 dann 3.432. Zum Vergleich die längere Reihe: 801 im Jahr 1815, 1.286 im Jahr 1939, 2.295 bei der Volkszählung 1987. Die Bundeswehr ist im Übrigen nie ganz weg gewesen. Im April 2005 zog die Schule für Diensthundewesen in das frühere Munitionsdepot im Hochpochtener Wald; die Liegenschaft heißt seit dem 8. August 2008 Gräfin-von-Maltzan-Kaserne, benannt nach der Tierärztin Maria Gräfin von Maltzan, die im Nationalsozialismus Verfolgten half. Die Gemeinde übernahm am 30. Januar 2009 die Patenschaft.

Wege: 3,7 Kilometer mit QR-Codes, 21,4 nach Cochem

Drei Routen führt die Stadt selbst. Die Ulmener Entdeckertour ist 3,7 Kilometer lang, hat 24 Stationen, an denen sich per QR-Code kurze Videos öffnen, und dauert mit allen Filmen etwa 2,5 Stunden; sie lässt sich aufteilen, und ein Teil der Inhalte liegt in leichter Sprache und in Gebärdensprache vor. Die HeimatSpur Ulmener Acht umrundet das Stadtgebiet über Jungferweiher, Meiserich, Maismühle und Auderather Mühle.

Die dritte ist die bekannteste und braucht im Moment eine Rückfrage. „Im Tal der Wilden Endert“ startet an der Burgruine über dem Maar und endet nach 21,4 Kilometern und 4:48 Stunden in Cochem; das Wandermagazin wählte sie 2019 zu Deutschlands schönstem Wanderweg. Die Stadtseite bewirbt die Tour ohne jeden Vorbehalt. Das Touristik-Büro Schieferland Kaisersesch, das die Strecke betreut, setzt auf seine Tourenseite dagegen eine Warnung vor Brückenschäden am Wasserfall Rausch, mit einer Erneuerung des Bauwerks voraussichtlich 2027. Der Sperrvermerk vom August steht dort nicht mehr, eine Freigabe hat aber auch niemand gemeldet. Vor der Anfahrt lohnt der Anruf unter 02653 9996-502.

Anfahrt, Termine, Einkehr

Ulmen liegt an der A 48 sowie an den Bundesstraßen B 257 und B 259, die es mit Cochem und dem Nürburgring verbinden. Mit dem Bus sind Lutzerath, Cochem, Daun, Gerolstein, Mayen und Koblenz direkt erreichbar; für Radfahrer verläuft die Vulkan-Rad-Route Eifel durch den Ort. Der Bahnhof an der Eifelquerbahn steht noch, Züge halten dort nicht: Der Personenverkehr endete am 13. Januar 1991, der Güterverkehr Richtung Kaisersesch am 1. Januar 1998, und der 2008 wieder aufgenommene Abschnitt wurde 2012 erneut eingestellt. Ein Gutachten des Zweckverbands SPNV Nord, über das 2023 berichtet wurde, kommt zu dem Schluss, dass der Nutzen der Strecke die Kosten überwiegt.

Gastronomie führt die Stadt drei Adressen: die Bürgerstube am Alten Postplatz 3, Ballings Stuff in der Marktstraße 13 und das Asia Haus in der Ritter-Heinrich-Straße 15. Die Stadtverwaltung sitzt In der Lay 4 und ist montags bis donnerstags von 7:00 bis 12:30 Uhr besetzt, Telefon 02676 249.

Für das restliche Jahr stehen unter anderem das Kölsch-Open-Air auf der Burg am 3. Oktober, der erste Lauf der Cochem-Zeller Crosslauf-Serie am 27. September und der Adventszauber auf der Burg am 29. November an. Zwei weitere Orte der Verbandsgemeinde stehen unter Auderath und Lutzerath.

Angaben nach den Seiten der Stadt Ulmen (Ulmener MaarStollen, Sehenswürdigkeiten, Wanderwege, Gastronomie, Verkehr), dem Touristik-Büro Schieferland Kaisersesch (Tourenseite „Im Tal der Wilden Endert“, Übersicht aller Wanderwege) und der deutschsprachigen Wikipedia unter Berufung auf das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz zum 31. Dezember 2025, abgerufen am 4. September 2026.

Muss man sich für den Ulmener Maar-Stollen anmelden?

Nein. Die Stadt Ulmen führt ihn seit dem 24. April 2023 als frei zugänglich. Begehbar ist er von April bis September zwischen 6:00 und 22:00 Uhr, von Oktober bis März zwischen 8:00 und 18:00 Uhr. Wer eine Führung möchte, meldet sich über die Anmeldeseite der Stadt an.

Kann man im Ulmener Maar baden?

Die Stadtverwaltung warnt nach dem Stand von 2024 vor jeglichem Kontakt mit dem Wasser, weil vermehrt Blaualgen auftreten, die Hautreizungen und allergische Reaktionen auslösen können. Der Rundweg am Ufer und der Blick von der Burgruine bleiben davon unberührt.

Wie viele Einwohner hat Ulmen?

3.431 zum 31. Dezember 2025 nach dem Statistischen Landesamt Rheinland-Pfalz, auf 28,74 Quadratkilometern also 119 je Quadratkilometer. 1939 waren es 1.286, 1987 dann 2.295 und 1997, im Jahr der Kasernenschließung, 2.921.

Ist Ulmen barrierefrei zu erkunden?

Teilweise. Der Rundweg um den Jungferweiher ist vollständig barrierefrei, der Eingang zum Maar-Stollen auf dieser Seite ebenfalls, und der Stollen lässt sich barrierearm durchqueren. Der Rundweg um das Ulmener Maar ist es wegen des Geländes und der Naturschutzauflagen nicht.